Beim Fliegenbinden wickelst du mit einem dünnen Faden Federn, Haare und Kunstfasern auf einen Haken, bis daraus ein Insekt oder ein kleiner Fisch wird. Hier steht, welches Werkzeug du dafür brauchst, in welcher Reihenfolge eine einfache Fliege entsteht und was das Artenschutzrecht bei Federn und Fell sagt.
Werkzeug am Bindeplatz
Eine Kunstfliege ist nach der Gerätekunde des Fischereivereins Löningen eine Insektennachahmung aus Materialien wie Kunststoff, Wolle, Federn oder Haaren, die auf einen Haken gebunden werden. Das Werkzeug dafür lässt sich nach Aufgaben ordnen.
Halten: Bindestock und Hechelklemme
Der Bindestock steht auf einem eigenen Fuß oder wird an die Tischkante geklemmt. Seine Backen halten den Haken fest, damit beide Hände frei sind. Blinker unterscheidet starre und rotierende Bindestöcke; bei einem rotierenden lässt sich der Haken drehen, sodass du die Fliege von allen Seiten siehst. Vor dem Kauf solltest du laut Blinker prüfen, ob die Backen auch kleine Haken der Größen 14 bis 18 sicher fassen.
Die Hechelklemme ist eine kleine Klemmzange. Sie greift das Ende der Hechelfeder, also der Feder, deren abstehende Fasern später den Kranz um den Kopf der Fliege bilden, und hält es, während du die Feder um den Haken wickelst. Fisch & Fang fasst in einer Anleitung sogar zwei Hecheln zugleich damit.
Faden führen: Bobbin und Kopfknotenbinder
Der Bobbin, auf Deutsch Fadenhalter, nimmt die Spule mit dem Bindefaden auf. Durch sein Röhrchen läuft der Faden zum Haken, und er hält den Faden auf Spannung. So kannst du den Bobbin hängen lassen, während du etwa die Hechel wickelst. Blinker rät zu einem Modell mit Keramikeinlage und ohne scharfe Kanten. Der Kopfknotenbinder, oft englisch Whip Finisher genannt, legt den Abschlussknoten am Kopf. Weil sich die Bauformen verschieden bedienen lassen, rät Blinker, ihn vor dem Kauf auszuprobieren.
Schneiden und zupfen: Schere und Dubbingnadel
Die Schere muss spitz sein und sauber schneiden. Blinker empfiehlt zwei Scheren, eine feine für Federn und Fäden und eine zweite für Draht, weil Draht und grobe Materialien die feine Schneide stumpf machen. Die Dubbingnadel ist eine Nadel mit Griff. Mit ihr teilst du Haare, und in einem gedrehten Strang aus Kaninchenhaar, etwa für den Kopf eines Streamers, löst und richtet sie die Haare auf. Dubbing heißt das lose Fell- oder Kunstfasermaterial, das auf den Faden gedreht wird.
Der Haken als Grundgerüst
Die Form des Hakens gibt die Form des Fliegenkörpers vor. Hakengrößen sind nach Blinker nicht genormt und fallen je nach Hersteller verschieden aus; die Nummer ist deshalb nur ein grober Richtwert. Angaben wie 2X long oder 2X strong beschreiben einen längeren Schenkel oder dickeren Draht. Dicker Draht macht den Haken schwerer und passt eher zur Nymphe, dünner Draht eher zur Trockenfliege. Das Kürzel BL steht für barbless, also einen Schonhaken ohne Widerhaken, den Blinker empfiehlt, weil er Fische schont. Einen normalen Haken kannst du zwischen den Backen des Bindestocks andrücken. Ob an deinem Gewässer Haken ohne Widerhaken vorgeschrieben sind, steht in der Gewässerordnung.
Ablauf einer einfachen Fliege
Gebunden wird von hinten nach vorn, Material für Material. Die Schritte folgen Bindeanleitungen von Blinker und Fisch & Fang.
- Haken einspannen. Den Hakenbogen so in die Backen setzen, dass der Schenkel frei liegt.
- Faden anlegen. Das lose Fadenende straff halten und mit dem Bobbin einige Windungen darüber legen, dann dicht an dicht zum Bogen wickeln. Nach etwa einem Drittel des Schenkels hält der Faden ohne Knoten, und das Ende wird abgeschnitten. Diese Grundwicklung macht den glatten Draht griffig, damit kein Material verrutscht. Alle Windungen laufen in dieselbe Richtung.
- Schwänzchen einbinden. Vor dem Bogen eine kleine Verdickung wickeln, damit die Fasern später spreizen. Von einer Feder den Flaum am Kiel abzupfen, fünf bis zehn Fasern abziehen, oben auf den Haken legen, mit zwei, drei lockeren Windungen halten, ausrichten, dann festziehen. Für Trockenfliegen nimmt man steife Fasern, für Nymphen und Nassfliegen weiche, die im Wasser spielen.
- Rippung vorbereiten. Draht, Glitzerband oder dünnes Monofil am Haken anlegen und überwickeln. Das geschieht vor dem Körper und wird laut Blinker gern vergessen.
- Körper formen. Etwas Dubbing zwischen Daumen und Zeigefinger immer in dieselbe Richtung um den Faden drehen und den Strang Windung für Windung nach vorn legen.
- Rippen. Den Draht gegen die bisherige Wickelrichtung schräg über den Körper führen, die Abstände werden zum Öhr hin größer. Vorn festbinden, Rest abschneiden. Die Rippung schützt den Körper vor Fischzähnen und gliedert ihn wie ein Insekt.
- Hechel wickeln. Die Hechelfeder vorn einbinden, ihre Spitze in die Hechelklemme nehmen und einige Windungen dicht vor dem Körper legen, sodass ein Faserkranz entsteht. Das Ende mit dem Faden abfangen und abschneiden.
- Kopfknoten. Mit dem Kopfknotenbinder einige Windungen über den Faden legen und zuziehen, Faden abschneiden, den Knoten mit einem Tropfen Bindelack sichern.
Maß fürs Schwänzchen: Blinker nennt als Richtwert für Nymphen etwa ein Drittel der Schenkellänge, bei Trockenfliegen darf das Schwänzchen so lang sein wie der Körper.
Vom Muster zur Fliegenart
Die Gerätekunde des Fischereivereins Löningen unterscheidet vier Gruppen:
- Trockenfliege: aufgestellte Flügel und Hecheln. Im Fragenkatalog Sachsen-Anhalt ist sie die Fliege mit den meisten Hecheln, und laut Fragenkatalog der LfL Bayern erhöhen die Hecheln ihre Schwimmfähigkeit.
- Nassfliege: Flügel und Hecheln liegen nach hinten, gefischt wird sie im Wasser.
- Nymphe: stellt ein Insekt beim Aufsteigen zum Schlüpfen dar.
- Streamer: ahmt kleine Fische oder Käfer nach.
Federn, Haare und Kunstfasern
Hechelfedern stammen vom Hahn; Blinker zählt den Hahnenbalg, die Haut samt Federn, zu den Grundmaterialien. Laut Fisch & Fang kamen Anfang der 1980er-Jahre Hahnenbälge aus amerikanischer Zucht auf den europäischen Markt. Für Körper werden auch die Fasern der Pfauenfeder verwendet, das Pfauengras. Haare und Fell liefern Dubbing und Streamerflügel, etwa Kaninchen als Fellstreifen oder als Dubbing. Dazu kommen Kunstfasern, Schaumstoff, Chenille, Glitzerband und Draht. Kunststoffe ersetzen heute auch seltene oder gefährdete Federn und Felle. Beschwert wird mit Kopfperlen, als Goldkopf oder aus Wolfram, und mit Bleidraht oder bleifreiem Draht.
Artenschutz bei Federn und Fell
§ 44 Abs. 2 Nr. 1 BNatSchG verbietet, „Tiere und Pflanzen der besonders geschützten Arten in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen, in Besitz oder Gewahrsam zu haben oder zu be- oder verarbeiten“. Als Tiere zählen nach § 7 Abs. 2 Nr. 1 auch „ohne Weiteres erkennbare Teile von Tieren wild lebender Arten“. Besonders geschützt sind nach § 7 Abs. 2 Nr. 13 unter anderem die europäischen Vogelarten; das Bundesamt für Naturschutz (BfN) schreibt, dass alle einheimischen Vogelarten in Deutschland besonders geschützt sind.
Ausnahmen nennt § 45 Abs. 1, etwa für rechtmäßig in der EU gezüchtete Tiere. § 46 regelt, wann du deine Berechtigung auf Verlangen der Naturschutzbehörde nachweisen musst. Was für einen bestimmten Balg, eine gekaufte Feder oder einen Fund am Ufer gilt, beantwortet die Naturschutzbehörde deines Bundeslandes: Laut BfN sind die Landesbehörden für Besitz und Vermarktung zuständig, das BfN selbst für Ein- und Ausfuhr. Den Schutzstatus einer Art zeigt die Datenbank WISIA des BfN; verbindlich sind im Zweifel die Gesetzestexte.
Typische Fehler
- Bindestock ohne kleine Haken gekauft. Ob die Backen auch Größe 14 bis 18 sicher halten, zeigt sich erst beim Test.
- Zu viel Dubbing. Anfänger nehmen laut Blinker oft zu viel. Besser wenig nehmen und bei Bedarf nachlegen.
- Rippung vergessen. Sie wird vor dem Körper eingebunden, und genau dieser Schritt fällt laut Blinker gern unter den Tisch.
- Draht mit der feinen Schere schneiden. Die feine Schneide wird stumpf.
- Faden an der Hakenspitze aufscheuern. Beim Wickeln nahe am Bogen streift der Faden leicht die Spitze und wird beschädigt. Wer sich an der Spitze sticht: Hakenverletzung und Erste Hilfe.
Häufige Fragen
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Geht Fliegenbinden auch ohne Bindestock?
Ja, aber es ist schwieriger und verlangt mehr Fingerfertigkeit. Einfache Muster wie die trockene Behmfliege, die nur aus Haken, Faden und einer Hahnenhechel besteht, lassen sich laut Fisch & Fang mit etwas Übung am Wasser auf der Hand binden.
Welche Fliege binde ich zuerst?
Ein einfaches Muster mit wenigen Materialien. Blinker beschreibt als erste Fliege eine Nymphe mit Kopfperle, etwas Bleidraht, Kaninchen-Dubbing, Golddraht als Rippung und Kopfknoten. Ein Schwänzchen und eine Hechel braucht dieses Muster nicht.
Darf ich Federn verwenden, die ich am Wasser finde?
Für Teile von Tieren wild lebender Arten gilt das Bundesnaturschutzgesetz, und ob eine Ausnahme greift, entscheidet die Naturschutzbehörde deines Bundeslandes. Den Schutzstatus der Art kannst du vorher in WISIA nachsehen.
Passend dazu
- Fliegenfischen: wie die Schnur die leichte Fliege trägt
- Fliegen, Fell- und Federköder: alle Fliegenarten im Überblick
- Trockenfliege: Aufbau und Führung an der Oberfläche
- Nymphe und Streamer: Fliegen für tieferes Wasser und Räuber
- Fliegenrute und Fliegenschnur: das Gerät, mit dem die Fliege ans Wasser kommt
- Schnur-Rechner: Tragkraft der Vorfachspitze und Knoten abschätzen
Quellen
- Blinker: Fliegenbinden für Anfänger: So einfach gelingt der Einstieg (Werkzeug, Haken, Bindeschritte, erste Nymphe)
- Blinker: Bindeanleitung Crazy Rabbit (Dubbingnadel)
- Fisch & Fang: Das Hexerl (Hechel, Kopfknoten, Zuchtbälge) und Fisch & Fang: Die trockene Behmfliege (Binden auf der Hand) und Fisch & Fang: 3. Fly Swap (Hecheln mit der Hechelklemme winden)
- Fischereiverein Löningen: Gerätekunde (PDF) (Fliegengruppen und Materialien), LfL Bayern: Prüfungsfragen 2023/2024 (PDF) (Hecheln und Schwimmfähigkeit) und Land Sachsen-Anhalt: Fragenkatalog Fischerprüfung (PDF) (Trockenfliege mit den meisten Hecheln)
- Bundesnaturschutzgesetz § 44 (Besitzverbote), § 7 (Begriffe), § 45 (Ausnahmen) und § 46 (Nachweispflicht)
- Bundesamt für Naturschutz: Zuständigkeiten im Artenschutzvollzug (Zuständigkeit), BfN: Artenschutz der Vogelschutzrichtlinie (einheimische Vogelarten besonders geschützt) und BfN: WISIA online (Schutzstatus nachschlagen)
- Wikipedia: Fliegenbinden (Bindestock, Fadenhalter, ergänzend) und Wikipedia (en): Fly tying (Hechelklemme, Schere, Kunstfasern, ergänzend)
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Welche Federn und Felle du besitzen und verarbeiten darfst, klärt im Einzelfall die Naturschutzbehörde deines Bundeslandes.
