Lösezange und Arterienklemme: Haken tief im Maul lösen

Eine Lösezange holt den Haken dort heraus, wo Finger nichts verloren haben: aus dem bezahnten Maul von Hecht und Zander oder tief aus dem Rachen. Hier steht, welche Bauform wofür taugt, wie du sie ansetzt und wann es für den Fisch besser ist, den Haken gar nicht erst herauszuholen.

Oben ein Hechtkopf in Seitenansicht mit leicht geöffnetem Maul, eine lange Lösezange greift durch das Maul den Haken im Maulwinkel. Unten eine Arterienklemme mit Griffringen, Raste, Gelenk und gebogenen Backen.HechtZähnelange LösezangeHaken im MaulwinkelArterienklemmeRaste (Sperre)Gelenkgebogene BackenGriffringe
Abb. 1 · Oben greift eine lange Lösezange durch das geöffnete Maul den Haken im Maulwinkel eines Hechts, unten eine Arterienklemme mit gebogenen Backen. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Wann es eine lange Zange braucht

Für Rotauge oder Brasse genügt meist ein klassischer Hakenlöser mit Öse. Bei Raubfischen mit Zähnen riskiert auch der Angler eine Verletzung. Der Blinker rät Hechtanglern zur extralangen Ausführung, damit die Hand beim weit eingesaugten Köder nicht zwischen die Zähne kommt.

Der britische Pike Anglers‘ Club (PAC) nennt in seinem Verhaltenskodex eine Länge: Klemme oder Spitzzange mindestens 10 Zoll, also gut 25 cm, dazu ein Seitenschneider mit langem Hals.

Wie oft der Haken tief sitzt, hängt stark vom Köder ab. Eine Forschergruppe um Robert Arlinghaus wertete 415 Hechte aus. Mit Naturköder saß der Haken bei 15,4 % der Fische im Schlund. Kiemen und Schlund wurden mit Naturköder, Gummifisch, Jig und Löffelblinker häufiger getroffen als mit Spinner und Wobbler, kleine Köder unter 75 mm hakten öfter in den Kiemen. Fische mit Haken in den Kiemen abzuhaken dauerte am längsten. Für Hecht und Zander am Köderfisch beschreibt ein Blinker-Autor, wie ein tief geschluckter Drilling im Schlund festsitzt und sein Entfernen einer Operation gleicht, die der Fisch oft nicht überlebt.

Drei Bauformen im Vergleich

Lange Hakenlösezange

Im Grunde eine Spitzzange mit langen, schlanken Backen. Viele Angelzangen haben nach Blinker zusätzlich Schneidbacken, einen Sprengringöffner oder eine Vorrichtung für Quetschhülsen, wie sie das Hechtvorfach braucht. Eigens verkaufte Raubfisch-Lösezangen nennt ein anderer Blinker-Autor sehr praktisch, aber sperrig in der Tasche.

Arterienklemme

Die Arterienklemme kommt aus der Chirurgie. Sie wird gehalten wie eine Schere, hat aber statt Schneiden zwei quer geriefte Backen und eine Raste, also eine Sperre, die sie geschlossen hält. Es gibt gerade und gebogene Formen. Einmal eingerastet, rutscht die Klemme nicht vom Haken. Der Blinker empfiehlt für das Raubfischmaul gebogene Backen, für den Hecht die extralange Ausführung.

Rachensperre

Nach den Prüfungsfragen in Sachsen-Anhalt hält die Rachensperre bei Raubfischen das Maul zum Hakenlösen offen. Die Gerätekunde des Fischereivereins Löningen empfiehlt sie für größere Raubfische, allerdings im Abschnitt über Fische, die entnommen und erst nach dem Töten abgehakt werden.

Für einen lebenden Hecht, der zurück ins Wasser soll, sehen Hechtangler das kritisch. Der PAC schreibt, beim Abhaken nie eine Rachensperre zu benutzen, und setzt auf Klemme und Handgriff. Ein im Blinker veröffentlichter Leitfaden des Deutschen Hechtangler-Clubs (DHC) argumentiert ähnlich: Mit dem Kiemendeckelgriff öffne der Hecht das Maul meist von selbst, eine Sperre sei dann überflüssig. In der Hechtstudie von Arlinghaus setzten die Forscher dagegen Rachensperren ein, um tief sitzende Haken abzukneifen. Zahlen zu Verletzungen durch die Rachensperre selbst nennt keine der hier ausgewerteten Quellen.

Den Haken mit Zange oder Klemme lösen

Kescher, nasse Hände und Abhakmatte beschreibt Fisch landen und abhaken.

  • Kopf sichern. Beim Kiemendeckelgriff nach DHC schiebst du Zeige- und Mittelfinger unter den Kiemendeckel, tastest dich Richtung Maulspitze und hältst mit dem Daumen außen dagegen. Laut Blinker gehört die Hand nur zwischen Kiemendeckel und ersten Kiemenbogen. Der PAC legt den Hecht dafür auf den Rücken und hält den Unterkiefer durch den Kiemendeckel, ohne die Kiemenreuse zu berühren.
  • Nicht in die Kiemen greifen. Die bayerischen Prüfungsfragen warnen, dass beim Griff hinter den Kopf die Hand in die Kiemen geraten kann und dann Fisch und Mensch verletzt werden.
  • Haken fassen und einrasten. Die Arterienklemme schließt du bis zur Raste, damit sie nicht vom Haken abrutscht. Ein großer Einzelhaken lässt sich nach Blinker deutlich besser greifen als ein Drilling.
  • Gefährliche Spitzen kappen. Sitzt eine Hakenspitze nahe am Auge oder in den Kiemen, rät der DHC dringend, sie abzukneifen.
  • Hände schützen. Wer beim Griff unsicher ist, hält laut Blinker einen Landungshandschuh bereit. Die Forscher der Hechtstudie nahmen einen langen Seitenschneider ausdrücklich, um ihre Hände zu schützen.

Tief geschluckt: lösen oder abschneiden

In der Hechtstudie von Arlinghaus und Kollegen bluteten tief gehakte Fische häufiger, und Blutungen erhöhten die Sterblichkeit kurz nach dem Fang. Die Forscher versuchten gar nicht erst, tief sitzende Haken mit der langen Zange durch das Maul zu ziehen. Sie kniffen den Hakenschenkel mit einem langen Seitenschneider durch, der Teil mit dem Widerhaken blieb im Fisch. Ihr Rat: tief geschluckte Haken beim Hecht nicht herausoperieren und beim Angeln mit Naturköder schnell anschlagen.

Wie viel der Hakensitz ausmacht, zeigt ein Feldversuch des Thünen-Instituts mit Ostsee-Plattfischen, die nach dem Fang 6 bis 7 Tage in Netzkäfigen blieben.

HakensitzScholle gestorbenKliesche gestorben
Lippe oder vorderes Maulrund 1 %rund 3 %
tief geschlucktrund 42 %rund 71 %

Am häufigsten lösten die beteiligten Angler tief sitzende Haken mit Zange oder Arterienklemme. Damit starben etwa 71 % der tief gehakten Plattfische, mit einem Plattfisch-Hakenlöser, um dessen Stab der Fisch gedreht wird, etwa 55 %. Wegen zu weniger Fälle sprechen die Autoren nur von einer Tendenz. Manche Haken brachen beim Lösen ab und blieben im Fisch. Das Vorfach kurz vor dem Maul abzuschneiden könnte die Sterblichkeit senken, schreiben die Thünen-Forscher, und verweisen auf Empfehlungen für andere Arten.

Ein Angelratgeber des WWF für Mecklenburg-Vorpommern, fachlich beraten von Arlinghaus und vom Landesamt LALLF, sagt es deutlicher: Schnur kappen und Haken im Fisch lassen hat meist die geringere Sterblichkeit zur Folge. Für Stahlvorfach und dicke Hakenschenkel nennt der Blinker eigene Cutter, weil viele Schneidwerkzeuge an Stahl an ihre Grenzen kommen.

Recht beachten: Die Forschung empfiehlt das Kappen breiter, als es manche Prüfungsunterlagen zulassen. Der Fragenkatalog Sachsen-Anhalt erlaubt das kurze Abschneiden der Schnur nur bei untermaßigen Aalen mit tief geschlucktem Haken. Die bayerischen Prüfungsfragen sehen für einen untermaßigen Fisch, der stark blutet und keine Fluchtversuche mehr macht, Betäuben und Kiemenschnitt vor, Vorfach und Haken bleiben als Nachweis im Schlund. Was an deinem Gewässer gilt, regeln Landesrecht und Erlaubnisschein.

Widerhaken mit der Zange andrücken

Die Zange hat eine zweite Aufgabe vor dem ersten Wurf: Mit ihr drückst du laut Blinker den Widerhaken eines gewöhnlichen Hakens an. Der PAC zieht Haken mit halbem oder angedrücktem Widerhaken in den Größen 4 bis 6 vor und betont, dass das kein Freibrief ist, den Hecht schlucken zu lassen. Nach dem WWF-Ratgeber verletzen Haken ohne Widerhaken weniger und lassen sich schneller lösen, oft noch im Wasser. Dafür gehen mehr Fische verloren, wenn im Drill der Kontakt abreißt. Mehr zu Schonhaken und Kreishaken steht unter Angelhaken.

Typische Fehler

  • Zu kurze Zange am Hecht. Die Finger kommen den Zähnen nahe, der PAC setzt gut 25 cm an.
  • Am tief geschluckten Haken operieren. Im Thünen-Versuch blieben solche Fische länger an der Luft, und einzelne Haken brachen ab.
  • Ohne Seitenschneider ans Wasser. Arlinghaus und Kollegen halten es für möglich, dass gerade unerfahrenen Hechtanglern Seitenschneider und Zangen fehlen. Dann bleibt nur das Ziehen.
  • Die Rachensperre als Standard beim lebenden Hecht. Der PAC lehnt sie ab, der DHC hält sie für unnötig.
  • Mit dem Anhieb warten. Am Köderfisch raten Arlinghaus und der PAC zum schnellen Anhieb. Der PAC verpasst lieber einen Hecht, als ihn tief zu haken.

Häufige Fragen

Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick

Reicht eine normale Angelzange?

Meist ja: Eine gewöhnliche Angelzange oder ein Multitool tut laut Blinker in den meisten Situationen seinen Dienst. Am Hecht und bei weit eingesaugten Ködern fehlt ihr die Reichweite, dort nimmst du die extralange Zange oder Klemme.

Gerade oder gebogene Arterienklemme?

Beide Formen gibt es. Ein Blinker-Autor empfiehlt für das Raubfischmaul gebogene Backen. Sobald Zähne im Spiel sind, zählt aber zuerst die Länge.

Was wird aus dem Haken, der im Fisch bleibt?

Beim Hecht war das laut Arlinghaus und Kollegen 2008 noch nicht untersucht. Wie Hechte nach einem Schnurbruch mit dem Köder im Maul zurechtkamen, steht unter Hechtvorfach. Röntgenversuche an Aalen mit gekappter Schnur beschreibt die Seite Angelhaken.

Muss ich ein Lösewerkzeug dabeihaben?

Die Prüfungsunterlagen sehen es so: Sachsen-Anhalt zählt den Hakenlöser zum Zubehör, das du unbedingt brauchst, Bayern zu dem, was aus Gründen der Waidgerechtigkeit mitgehört. Ob dein Land es vorschreibt, steht im Landesrecht, siehe Recht & Schein.

Passend dazu

Quellen

Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.

Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Ob du einen tief sitzenden Haken lösen oder abschneiden darfst, regeln Landesrecht und Erlaubnisschein; der Text ersetzt weder Rechts- noch ärztliche Beratung.