Neunaugen (Bach-, Fluss- und Meerneunauge)

Neunaugen sind kieferlose Rundmäuler und gehören nicht zu den echten Fischen. In Deutschland leben drei Arten: das Bachneunauge (Lampetra planeri), das Flussneunauge (Lampetra fluviatilis) und das Meerneunauge (Petromyzon marinus). Alle drei stehen in Anhang II der FFH-Richtlinie und sind keine Zielfische.

Naturkundetafel eines Flussneunauges
Naturkundetafel von AngelMomente, KI-unterstützt entworfen.
  1. Runde, kieferlose Mundscheibe mit Zähnchen
  2. Ein Auge und dahinter sieben Kiemenöffnungen in einer Reihe
  3. Zwei Rückenflossen, die hinten in Schwanz- und Afterflosse übergehen; keine paarigen Flossen
Größe15 bis über 90 cmBach-, Fluss-, Meerneunauge
Larvenzeitmehrere Jahreeingegraben im Sand
StatusFFH-Anhang IIalle drei Arten
Rote Liste 2023Meerneunauge vom Aussterben bedrohtFlussneunauge stark gefährdet

Fangchancen im Jahresverlauf

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  • Kaum Chancen
  • Möglich
  • Gut
  • Hauptsaison
  • Laichzeit (Schonzeit beachten)

Redaktionelle Einschätzung für Gewässer in Deutschland, kein Messwert und keine Garantie. Laichzeit ist nicht gleich gesetzliche Schonzeit.

Woran du sie erkennst

Neunaugen haben einen aalförmigen Körper ohne Schuppen und ohne paarige Flossen. Statt Kiefern tragen sie eine runde Mundscheibe mit Zähnchen, mit der sie sich festsaugen. Den Namen verdanken sie dem Blick von der Seite: eine Nasenöffnung, ein Auge und sieben Kiemenöffnungen ergeben zusammen neun scheinbare Augen.

Die drei Arten unterscheiden sich vor allem in der Größe. Das Bachneunauge wird nach Angaben des Bundesamts für Naturschutz (BfN) bis zu 15 Zentimeter lang, das Flussneunauge 30 bis 45 Zentimeter, das Meerneunauge über 90 Zentimeter. FishBase nennt für das Meerneunauge sogar 120 Zentimeter.

Das Bachneunauge ist oben dunkelblau bis dunkelgrün, an den Flanken gelblich grün und am Bauch silbrig weiß. Das Meerneunauge ist oliv bis gelbbraun mit deutlicher schwarzer Marmorierung. Die Larven aller drei Arten heißen Querder. Sie haben noch keine Augen und keine Zähne und sehen den erwachsenen Tieren kaum ähnlich.

Ein Neunauge im Kescher wird oft für einen jungen Aal gehalten. Der Aal hat aber Kiefer und paarige Brustflossen direkt hinter dem Kopf. Beim Neunauge fehlen beide, dafür siehst du die Reihe der Kiemenöffnungen und den runden Saugmund.

Fluss- und Meerneunauge lassen sich in Küstennähe verwechseln. Laut FishBase stehen die Zähne des Meerneunauges in vielen aufeinanderfolgenden Kreisen, beim Flussneunauge gibt es einen äußeren Kranz kleiner und einen inneren Kranz großer Zähne. Dazu kommt die Marmorierung des Meerneunauges. Ausgewachsene Bach- und Flussneunaugen trennt vor allem die Größe.

Im direkten Vergleich

Naturkundetafel: Neunaugen (Bach-, Fluss- und Meerneunauge) (Lampetra planeri, Lampetra fluviatilis, Petromyzon marinus) in Seitenansicht
Neunaugen (Bach-, Fluss- und Meerneunauge)Runde, kieferlose Mundscheibe mit Zähnchen
Naturkundetafel eines Aals mit langgestrecktem Körper und Flossensaum
AalOberständiges Maul, der Unterkiefer ist etwas länger
Naturkundetafel: Meeraal (Conger) (Conger conger) in Seitenansicht
Meeraal (Conger)Rückenflosse beginnt bereits über der Brustflosse

Wo sie leben

Das Bachneunauge verbringt sein ganzes Leben im Süßwasser. Es lebt in klaren Bächen, kleineren Flüssen und gut durchströmten Gräben, vor allem in der oberen und mittleren Forellenregion. In Deutschland ist es weit verbreitet, mit Schwerpunkt im Bergland.

Das Flussneunauge lebt in den Küstengewässern von Nord- und Ostsee und zieht zum Laichen in fast alle größeren Flüsse, am stärksten in den Rhein. Das Meerneunauge kommt in Deutschland vor allem in der Nordsee vor und steigt in Rhein, Weser, Ems und Elbe samt Nebenflüssen auf.

Die Querder aller Arten stecken jahrelang eingegraben im Feinsediment ruhiger Uferbereiche. Beim Bachneunauge liegen sie in humusreichem Sand und unter verrottendem Laub. Wird Schwemmholz bei der Gewässerunterhaltung entfernt oder das Gewässer begradigt, gehen diese Plätze verloren. Wehre und andere Querbauwerke behindern den Laichaufstieg der wandernden Arten.

Wie sie leben und laichen

Die Querder filtern Detritus, also zerfallende organische Reste, und Algen aus dem Sediment. Beim Bachneunauge dauert diese Zeit nach Angaben des Landesfischereiverbands Bayern drei bis fünf Jahre, FishBase nennt fünf bis sechs. Im Spätsommer beginnt die Umwandlung: Augen, Zähne und Geschlechtsorgane bilden sich, der Darm wird zurückgebildet. Erwachsene Bachneunaugen fressen nicht mehr, sie leben nur noch für die Fortpflanzung.

Fluss- und Meerneunauge wandern nach der Umwandlung ins Meer und leben dort parasitisch. Das Flussneunauge saugt sich laut BfN vor allem an Heringen fest. Das Meerneunauge heftet sich an große Fische und sogar an Wale, ernährt sich von Blut, Körperflüssigkeit und Gewebe und tötet seinen Wirt dabei meist nicht. Nach FishBase verbringt es etwa 20 bis 36 Monate im Meer.

Zum Laichen schlagen die Neunaugen Gruben in Kies und Sand. Beim Meerneunauge können sie über einen Meter lang sein, ein Weibchen legt bis zu 240.000 Eier. Ein Bachneunaugen-Weibchen bringt es auf etwa 500 bis 2.000 Eier. Nach dem Laichen sterben die Elterntiere.

Das Bachneunauge ist sehr temperaturempfindlich. Ein Bericht für die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) nennt für erwachsene Tiere eine obere Letaltemperatur von 24 °C, den niedrigsten Wert aller dort aufgeführten Arten. Für Fluss- und Meerneunauge stehen dort 30 und 31 °C.

Gibt es eine Saison?

Eine Angelsaison gibt es für Neunaugen nicht.

Die wandernden Arten sind lange unterwegs. Das Flussneunauge beginnt seinen Laichaufstieg nach Angaben des BfN schon im Dezember und laicht im Frühjahr. Das Meerneunauge zieht ab dem Winter flussauf und laicht von Mai bis Juli. Das Bachneunauge laicht in kleinen Gruppen im Flachwasser, regional unterschiedlich zwischen Ende März und Juli.

Die Monatsübersicht aller Arten und den Wassertemperatur-Check findest du im Fangkalender.

Was du bei einem Beifang tust

Neunaugen werden nicht beangelt. Ein erwachsenes Bachneunauge frisst nicht und geht deshalb kaum an einen Köder.

Hängt doch einmal ein Neunauge im Kescher oder am Haken, setze es sofort ins Wasser zurück. Fasse es nur mit nassen Händen an und lass es nicht an Land liegen.

Als Watangler kannst du direkt etwas tun: Die Querder sind laut BfN empfindlich gegen Tritt. Meide flache Sand- und Kiesbänke in Laichgebieten, besonders im Frühjahr.

Kiemenöffnungen zählen: Sieben runde Öffnungen hinter dem Auge und kein Kiefer: Das ist ein Neunauge, kein junger Aal.

Laichgruben nicht betreten: Flache Mulden im Kies, in denen sich im Frühjahr mehrere schlanke Tiere sammeln, sind Laichplätze. Wate dort nicht hindurch.

Passende Köder

Für diese Art zeigen wir bewusst keine Köder.

Alle drei Arten sind FFH-Arten, Fluss- und Meerneunauge stark gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht: nicht beangeln, Beifang sofort ins Wasser zurücksetzen.

Alle Köder im Überblick

Was du beachten musst

Alle drei Arten stehen in Anhang II der FFH-Richtlinie, das Flussneunauge zusätzlich in Anhang V. In der Roten Liste Deutschlands von 2023 gilt das Bachneunauge als ungefährdet, das Flussneunauge als stark gefährdet und das Meerneunauge als vom Aussterben bedroht. Beim Meerneunauge haben die Bestände laut Rote-Liste-Zentrum im vergangenen Jahrzehnt vielerorts abgenommen, ohne dass die Ursachen bekannt sind.

Wie mit Neunaugen beim Angeln umzugehen ist, regeln die Länder. In Bayern sind Bach-, Fluss- und Meerneunauge nach der Ausführungsverordnung zum Bayerischen Fischereigesetz ganzjährig geschont. Lebensfähige Tiere, die während der Schonzeit gefangen werden, sind dort unverzüglich und sorgfältig in dieselbe Gewässerstrecke zurückzusetzen.

Schonzeiten, Mindestmaße und Fangverbote legen die Bundesländer fest. Sie unterscheiden sich je nach Land und Gewässer. Deshalb nennen wir keine starren Zahlen: Verbindlich sind stets die Fischereiverordnung deines Bundeslandes und dein Erlaubnisschein. Eine Linkliste der amtlichen Quellen findest du im Fangkalender.

Häufige Fragen (FAQ)

Sind Neunaugen Fische?

Nein. Neunaugen sind kieferlose Rundmäuler und bilden eine eigene Gruppe. In der bayerischen Fischereiverordnung stehen sie trotzdem in der Liste der geschonten Arten.

Warum heißen sie Neunaugen?

Von der Seite siehst du eine Nasenöffnung, ein Auge und sieben Kiemenöffnungen. Zusammen sind das neun scheinbare Augen.

Wie unterscheide ich Fluss- und Meerneunauge?

Das Meerneunauge wird größer, ist schwarz marmoriert und hat Zähne in vielen Kreisen. Das Flussneunauge hat einen äußeren Kranz kleiner und einen inneren Kranz großer Zähne.

Quellen

Die Einstufung der Fangchancen ist eine redaktionelle Einschätzung. Die Fakten stammen aus diesen Quellen, der Text ist in eigenen Worten formuliert. Die Illustration ist ein eigener Entwurf im Stil einer Naturkundetafel von AngelMomente (KI-unterstützt erstellt, siehe KI-Hinweis).

KI-unterstützt aus den genannten Quellen erstellt. Zahlen stehen nur im Text, wenn eine Quelle sie nennt. Zuletzt geprüft: 2. Oktober 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wer hinter der Seite steht: Über uns.

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