Für das Mindestmaß zählt die Länge von der Kopfspitze bis zum Ende der Schwanzflosse, und messen musst du sie am Wasser selbst. Mit Maßband oder Messmatte dauert das Sekunden, wenn Anschlag, Flosse und Unterlage stimmen. Hier steht, wie die Länder die Messung regeln und wie du misst, ohne den Fisch lange an der Luft zu halten.
Was als Länge zählt
Gemessen wird die Totallänge, also die Gesamtlänge des Fisches vom vordersten Punkt des Kopfes bis zum hintersten Punkt der Schwanzflosse. Die Fischdatenbank FishBase beschreibt sie als größte Länge des ganzen Körpers, gemessen in gerader Linie und ausdrücklich nicht über die Wölbung von Rücken oder Bauch. Die Schwanzflosse zählt also mit. Wie sie beim Ablesen liegen soll, regelt jedes Bundesland in seiner Fischereiverordnung, und die Wortlaute unterscheiden sich.
| Land | Vorschrift | Gemessen bis |
|---|---|---|
| Bayern | § 11 AVBayFiG | Körperende samt zusammengelegter Schwanzflosse |
| Berlin, Brandenburg | § 8 LFischO, § 2 BbgFischO | Ende der natürlich ausgebreiteten Schwanzflosse |
| Sachsen | § 2 SächsFischVO | Ende der natürlich ausgebreiteten Schwanzflosse |
| Nordrhein-Westfalen | § 3 LFischVO | Ende des längsten Teils der Schwanzflosse |
Zusammengelegt heißt: Du schiebst die beiden Lappen einer gegabelten Flosse aneinander, bevor du abliest. Natürlich ausgebreitet heißt: Die Flosse bleibt so liegen, wie sie von selbst fällt. FishBase führt beide Arten als eigene Messweisen der Totallänge. Bayern nennt die Grenze übrigens Schonmaß statt Mindestmaß; Fische darunter dürfen dort nicht entnommen werden. Liegt ein Fisch knapp am Maß, lohnt es sich, den Wortlaut deines Landes zu kennen. Die Verordnungen aller 16 Länder sind auf der Seite Schonzeit und Mindestmaß erklärt verlinkt.
Hinweis zum Recht: Diese Seite nennt bewusst keine Mindestmaße. Die Werte je Art stehen in der Anlage der Fischereiverordnung deines Bundeslandes. Schau zusätzlich in Gewässerordnung und Erlaubnisschein, maßgeblich ist immer der aktuelle Wortlaut.
Das Maß gehört zur Grundausrüstung
Die Prüfungsunterlagen behandeln das Maß als festen Teil der Ausrüstung. Der bayerische Fragenkatalog zählt ein Längenmaß neben Fischbetäuber, Messer und Hakenlöser zu den Geräten, die aus Gründen der Waidgerechtigkeit mit ans Wasser gehören. Im Katalog aus Sachsen-Anhalt steht ein Zentimetermaß in der Liste des Zubehörs, das du beim Angeln unbedingt brauchst. Die Gerätekunde des Fischereivereins Löningen begründet es knapp: Vor der Entnahme ist das Schonmaß zu prüfen, und dafür braucht man ein Maßband. Laut Blinker darf ein Fischereiaufseher bei einer Kontrolle neben dem Schein auch solches Zubehör ansehen.
Messhilfen und wofür sie taugen
Rollmaßband
Ein aufrollbares Bandmaß wiegt wenig und passt in die Jackentasche. Es braucht aber eine nasse Unterlage, denn auf Sand oder Steinen leidet die Schleimhaut des Fisches. Ein breites Band lässt sich laut Blinker selbst anfeuchten und bei schlanken Fischen als Unterlage nutzen, wenn im Gestrüpp kein Platz für eine Matte ist. Das ist besser, als den Fang auf sandigen Boden zu legen.
Messmatte
Eine Messmatte ist eine gepolsterte Abhakmatte mit aufgedruckter Zentimeterskala. Der Fisch liegt weich, und du misst ihn, während er ohnehin dort liegt. Bei den Matten, die Blinker für Raubfischangler vorstellt, reicht die Skala meist bis 120 Zentimeter, genug für einen großen Hecht. Für Ansitzangler rät der Autor zu großen Matten mit hohem Rand, von denen ein schlagender Fisch nicht herunterrutscht. Vor dem Ablegen gehört die Matte gründlich angefeuchtet.
Anschlag am Nullpunkt
Ein Anschlag ist eine feste Kante am Anfang der Skala. Du schiebst die Kopfspitze dagegen, dann liegt sie sicher auf null. Blinker beschreibt ein breites Band mit Kunststoffanschlag als Nullpunkt und eine Ausführung zum Aufkleben an die Bootswand. Ohne Anschlag musst du selbst darauf achten, dass die Kopfspitze genau auf der Null liegt.
Schonend messen: nass, flach, kurz
Jede Messung verlängert die Zeit an der Luft. Laut Blinker drohen dabei Sauerstoffmangel und eine austrocknende Schleimhaut. Maßband, Matte und Hakenlöser sollen deshalb griffbereit liegen, bevor der Fisch im Kescher ist.
- Nass: Matte oder Band anfeuchten, die Hände ebenso. Der bayerische Prüfungskatalog begründet die nassen Hände damit, dass sonst die Haut des Fisches Schaden nimmt.
- Flach: Den Fisch waagerecht auf die Skala legen, Kopf an den Anschlag. Fehlt eine Matte, nennt Blinker einen nassen Kescher oder feuchtes Gras als Unterlage.
- Kurz: Schwanzflosse nach der Regel deines Landes legen, ablesen, fertig. Danach geht der Fisch sofort zurück ins Wasser oder wird betäubt, wie unter Fisch betäuben und töten beschrieben.
Wie stark Luftzeit belastet, hat eine Arbeitsgruppe um den Fischereiforscher Robert Arlinghaus an Karpfen untersucht (Rapp und Kollegen, 2014). Kleine Karpfen, die im Labor zehn Minuten an der Luft lagen, hatten danach 24 Prozent mehr Laktat, das Salz der Milchsäure, im Blut als Fische ohne diese Luftzeit. In den zwei Monaten nach dem Freilassen starb kein Fisch, die Forscher halten Karpfen für sehr widerstandsfähig. Aus Sicht des Fischwohls raten sie trotzdem, Fotos direkt nach dem Fang zu machen statt nach längerem Hältern im Karpfensack. Über andere Arten sagt die Studie nichts.
Ist ein Fisch schon im Kescher sichtbar zu klein, brauchst du kein Maß. Für untermaßige, lebensfähige Fische gibt der bayerische Katalog als richtige Antwort vor, sie im Wasser oder mit nassen Händen abzuhaken und gleich zurückgleiten zu lassen. Blinker ergänzt: ohne Umweg über ein Erinnerungsfoto. Mehr dazu steht unter Fisch zurücksetzen.
Typische Fehler
- Über die Rundung gemessen. Ein Band, das über Rücken oder Bauch gelegt wird, zeigt mehr als die gerade Strecke. FishBase misst in gerader Linie. Leg den Fisch auf das Maß, nicht das Maß auf den Fisch.
- Schwanzflosse nach der falschen Regel gelegt. Wer in Bayern die Lappen nicht zusammenlegt oder in Sachsen die Flosse zusammendrückt, misst nicht nach dem Wortlaut seines Landes.
- Den Nullpunkt nicht geprüft. Fisch & Fang berichtete 2020 über einen vermeintlichen niederländischen Rekordzander mit 106 Zentimetern. Gemessen worden war versehentlich mit einem Scherz-Maßband, dem vorn 5 Zentimeter fehlten; der Zander hatte tatsächlich 101. Schau bei jedem neuen Band nach, ob die Skala wirklich bei null beginnt.
- Auf trockenem oder kaltem Grund gemessen. Laut Blinker schädigen Sand und Dreck die Schleimschicht, ebenso Eis, Schnee und hart gefrorener Boden.
- Das Maß erst suchen, wenn der Fisch an Land liegt. Jede Minute in der Tasche ist Luftzeit für den Fisch.
Häufige Fragen
Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick
Zählt die Schwanzflosse zur Länge?
Ja. In allen Ländern aus der Tabelle reicht das Maß bis ans Ende der Schwanzflosse. Verschieden ist nur, ob sie zusammengelegt, natürlich ausgebreitet oder bis zu ihrem längsten Teil gemessen wird.
Darf ich nach Augenmaß schätzen?
Für die Entnahme nicht. Die Verordnungen erlauben sie erst ab einer bestimmten Länge, und die Prüfungsunterlagen zählen ein Längenmaß zur Ausrüstung. Wer einen Fisch ohnehin im Wasser abhakt und zurücksetzt, braucht das Maß nicht.
Wie werden Krebse gemessen?
Berlin und Brandenburg nennen dafür eine eigene Regel: von der Spitze des Kopfpanzers vorn bis zum Schwanzende, wobei der Hinterleib flach ausgestreckt liegt. Andere Länder können das anders fassen, maßgeblich ist deine Landesverordnung.
Brauche ich eine Messmatte, wenn ich schon eine Abhakmatte habe?
Nicht unbedingt. Ein nasses Maßband, das auf der Matte liegt, leistet dasselbe. Die aufgedruckte Skala spart nur den Handgriff zum Band.
Passend dazu
- Schonzeit und Mindestmaß erklärt: die Begriffe und die Verordnungen aller 16 Länder
- Fisch landen und abhaken: Kescher, nasse Hände und kurze Luftzeit
- Fisch zurücksetzen: was mit untermaßigen Fischen geschieht
- Abhakmatte: die Unterlage, auf der auch gemessen wird
- Fischwaage: wenn neben der Länge das Gewicht zählt
- Fisch bestimmen: erst die Art sicher erkennen, dann das Maß nachschlagen
- Schnur-Rechner: Tragkraft passend wählen, damit der Drill nicht unnötig lange dauert
Quellen
- Bayern.Recht: § 11 Ausführungsverordnung zum Fischereigesetz (AVBayFiG) (Schonmaß, Messung bis zum Körperende samt zusammengelegter Schwanzflosse, Werte in der Anlage)
- Fischereiamt Berlin: Mindestmaße und Schonzeiten (Auszug § 8 LFischO: natürlich ausgebreitete Schwanzflosse, Messung bei Krebsen) und Land Brandenburg: Fischereiordnung (BbgFischO) (§ 2, gleiche Messregel)
- Freistaat Sachsen: Sächsische Fischereiverordnung (§ 2 Abs. 2, natürlich ausgebreitete Schwanzflosse) und Land Nordrhein-Westfalen: Landesfischereiverordnung (LFischVO) (§ 3, längster Teil der Schwanzflosse, Entnahme erst ab Mindestlänge)
- FishBase: Glossar, Stichwort total length (Totallänge in gerader Linie, nicht über die Körperwölbung; zusammengelegte und natürlich liegende Schwanzflosse als Messweisen)
- LfL Bayern: Staatliche Fischerprüfung, Prüfungsfragen 2023/2024 (PDF) (Fragen 4.118, 4.128 und 4.129: Längenmaß mitführen, Umgang mit untermaßigen Fischen, nasse Hände), Land Sachsen-Anhalt: Fragenkatalog Fischerprüfung (PDF) (Zentimetermaß als nötiges Zubehör) und Fischereiverein Löningen: Gerätekunde (PDF) (Maßband zur Prüfung des Schonmaßes)
- Blinker: Abhakmatte richtig einsetzen und schonend releasen (Matten mit Skala bis meist 120 cm, Matte nass halten, breites Maßband als Unterlage, Anschlag als Nullpunkt, Band für die Bootswand, Schäden durch Sand und gefrorenen Boden)
- Blinker: Fische landen mit Kescher, Lip-Grip und Co. (kurze Luftzeit, Maßband griffbereit), Blinker: Wie behandelt man untermaßige Fische richtig? (nasser Kescher oder feuchtes Gras, kein Foto) und Blinker: Kescher fürs Angeln (Kontrolle des Zubehörs)
- Fisch & Fang: Beim Rekordzander vermessen (Messung mit vorn gekürztem Maßband, 106 statt 101 cm)
- Humboldt-Universität zu Berlin, Fachgebiet Integratives Fischereimanagement: Rapp et al. 2014, Luftexposition bei Karpfen (Laktat plus 24 Prozent nach zehn Minuten an der Luft, keine Todesfälle, Fotos direkt nach dem Fang)
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Wie gemessen wird und welches Maß gilt, bestimmt der aktuelle Wortlaut der Fischereiverordnung deines Bundeslandes.
