Die Sinne der Fische sind auf das Leben im Wasser eingestellt: Die Seitenlinie spürt Strömung und Druckwellen, das Innenohr hört ohne Ohrmuschel, Nase und Barteln prüfen gelöste Stoffe. Hier steht, wie die Organe arbeiten und was daraus für dein Verhalten am Ufer und für den Köder folgt.
Seitenlinie: tasten auf Abstand
Fische tragen an Kopf und Rumpf ein System von Sinnesorganen, das Wasserströmungen und Druckschwankungen wahrnimmt (Lexikon der Biologie). Die Fühler heißen Neuromasten. In jedem sitzen 20 bis 30 Haarzellen, deren Härchen in einer gemeinsamen Gallerthaube stecken. Lenkt bewegtes Wasser die Haube aus, sprechen die Zellen an.
Bei Knochenfischen liegen die Neuromasten versenkt in Kanälen, die über regelmäßig angeordnete Poren nach außen offen sind. Diese Poren siehst du als Linie auf der Flanke. Beim Wels ist sie vollständig ausgebildet, beim Hecht mehrfach unterbrochen.
Biologen sprechen vom Ferntastsinn: Der Fisch registriert den Staudruck, den ein herannahendes oder vorbeischwimmendes Tier erzeugt, und ertastet so auch Hindernisse auf Abstand (Lexikon der Biologie).
Jagen ohne Licht
Wie viel das bei der Jagd ausmacht, zeigt ein Versuch, den der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) in seiner Broschüre zum Wels beschreibt. Junge Welse jagten nachts im Aquarium kleine Beutefische und folgten deren Strömungsspur. Ohne Seitenlinie griffen sie deutlich seltener und später an und fingen weniger.
Die Seitenlinie braucht kein Licht. Das erklärt, wie der Wels nachts und im trüben Wasser Beute macht.
Gehör: Innenohr und Schwimmblase
Fische haben kein Trommelfell und kein sichtbares Ohr. Ihr Innenohr liegt hinter den Augen (Planet Wissen). Darin ruhen Gehörsteinchen, die Otolithen, über einigen tausend Haarsinneszellen. Trifft Schall ein, bewegen sich die Steinchen und verbiegen die Sinneshärchen (Lexikon der Biologie).
Schall ist im Wasser gut viermal so schnell wie in der Luft: Das Lexikon der Physik nennt 1464 Meter pro Sekunde für Wasser und 331 für Luft. Fische mit Schwimmblase nehmen damit Schalldruckwellen auf und leiten die Schwingungen zum Innenohr.
Bei Karpfenfischen und Welsen verbindet eine Kette kleiner Knochen die Schwimmblase mit dem Innenohr: die Weber-Knöchelchen, auch Weberscher Apparat genannt. Karpfen, Schleie, Brasse und Rotauge sind Karpfenfische und hören über diesen Weg.
Fische hören vor allem tiefe Töne. Für Arten ohne Schwimmblase nennt das Lexikon der Biologie eine obere Grenze von 1000 bis 2000 Hertz, für Arten mit Schwimmblase und Weber-Knöchelchen etwa 5 Kilohertz. Vom Wels schreibt der DAFV, er nehme Geräusche außergewöhnlich empfindlich wahr, auch solche, die über der Wasseroberfläche entstehen.
Augen: Kugellinse und Farbensehen
Die Linse im Fischauge ist eine Kugel. Mit 1,65 hat sie den höchsten Brechungsindex aller Wirbeltieraugen (Lexikon der Biologie). Zum Scharfstellen wird sie nicht verformt: Muskeln ziehen die starre Linse näher an die Netzhaut. In Ruhe ist das Auge der Knochenfische auf die Nähe eingestellt (Lexikon der Biologie).
In der Netzhaut sitzen Stäbchen für Hell und Dunkel und Zapfen für Farben. Gut untersucht sind Barsch, Hecht und Zander. Nach einem Bericht von Marlon Braun und Robert Arlinghaus haben alle drei Zapfen für grünes und rotes Licht, aber keine eigenen für blaues. Hecht und Barsch halten kurzwelliges Licht zusätzlich mit einer gelben Hornhaut ab: Blau und Ultraviolett sehen sie nicht, Grün- und Rottöne unterscheiden sie gut. Dagegen nennt das Lexikon der Neurowissenschaft für Süßwasserfische allgemein mindestens drei, meist vier Zapfensorten, etwa beim Goldfisch.
Der Zander ist für wenig Licht ausgerüstet. Braun und Arlinghaus schreiben ihm gut entwickelte Restlichtverstärker im Auge zu. Zusammen mit den Stäbchen erkennt er so auch bei sehr schwachem Licht noch Kontraste.
Der Blick nach oben
Nach oben sieht ein Fisch durch ein rundes Fenster. Bei glatter Oberfläche erfasst er in jeder Tiefe alles, was die Uferlinie überragt. Die Welt über dem Wasser liegt für ihn in einem Kegel mit einem halben Öffnungswinkel von etwa 48 Grad, dem Grenzwinkel der Totalreflexion. Außerhalb davon wirkt die Oberfläche als Spiegel und zeigt, was unter Wasser liegt (LEIFIphysik).
Sich hinzulegen hilft an einem flachen, kahlen Ufer deshalb nicht: Jeder Fisch kann den Beobachter sehen, wenn er nicht zu nah am Ufer steht.
Geruch und Geschmack
Zum Riechen haben Fische meist paarige Riechgruben mit einem stark gefalteten Riechepithel, an dem das Wasser vorbeiströmt (Lexikon der Biologie). Der Wels nimmt über seine Nasenöffnungen gelöste Duftstoffe auf und kann sich bei der Nahrungssuche daran orientieren, schreibt der DAFV.
Wie fein eine Fischnase sein kann, zeigt der Aal. Das Lexikon der Biologie nennt einen Duftstoff, den er noch in einer Verdünnung von 1 zu 2,9 Trillionen riecht. Das entspricht einem Milliliter in der 58-fachen Wassermenge des Bodensees. Der Hecht riecht dagegen schlecht und hat große Augen.
Geschmack ist nicht auf das Maul beschränkt. Bei einigen Arten sitzen Geschmacksknospen zusätzlich an Kiemen, Barteln und Flossen, bei manchen auf der ganzen Körperoberfläche. Barteln sind fadenförmige Hautorgane am Maul mit zahlreichen Geschmacksknospen und Tastkörperchen (Lexikon der Biologie).
Der Wels trägt sechs Barteln: zwei lange am Oberkiefer, vier kurze am Unterkiefer. Er stützt sich laut DAFV vor allem auf Tast- und Geruchssinn, die kleinen Augen sind weniger wichtig. Im Versuch mit den jungen Welsen war der äußere Geschmackssinn wichtig, um tote oder ruhende Nahrung zu finden. Bei bewegter Beute spielte er offenbar eine untergeordnete Rolle.
Barteln haben auch Karpfen (vier), Barbe (vier), Schleie (zwei kurze) und Quappe (eine am Kinn). Das Werkzeug Fisch bestimmen fragt sie ab.
Was daraus am Ufer folgt
Belegt sind die Organe und ihre Leistung. Wie stark ein Fisch im Einzelfall auf den Angler reagiert, ist meist Erfahrung.
- Erschütterungen: Über die Seitenlinie nehmen Fische Erschütterungen im Wasser wahr. Die Zeitschrift Blinker rät beim Pirschen auf Forellen in Ufernähe, äußerst leise aufzutreten: Schon kleinste Erschütterungen könnten einen Fluchtreflex auslösen.
- Schatten und Umriss: Derselbe Bericht warnt vor dem eigenen Schatten auf dem Wasser und empfiehlt, sich gegen die Sonne zu nähern, langsam zu bewegen und gebückt zu gehen. Aus dem Sichtfenster des Fisches verschwindest du damit nicht.
- Geräusche: Angler nutzen das Gehör des Welses mit dem Wallerholz. Das Klopfen auf die Oberfläche macht Welse laut DAFV aufmerksam und regt sie offenbar zum Fressen an. Ob Boot und Methode erlaubt sind, steht im Erlaubnisschein.
Hinweis: Die Befunde stammen von einzelnen Arten: Seitenlinie und Geschmack vom Wels, Farbensehen von Barsch, Hecht und Zander, die Riechleistung vom Aal. Auf andere Arten lassen sie sich nicht ohne Weiteres übertragen.
Köder mit Druckwelle oder Duft
Wie Natur- und Kunstköder auf den Fisch wirken, vergleicht die Köderübersicht. Was davon belegt ist und was Erfahrung:
- Druckwelle: Ein Spinner oder ein Gummifisch bewegt Wasser. Dass ein Raubfisch bewegte Beute über die Seitenlinie verfolgt, zeigt der Versuch mit den Welsen. Dass ein bestimmter Kunstköder deshalb mehr fängt, zeigt er nicht. Blinker schreibt zum Spinner, Raubfische nähmen seine Druckwellen über die Seitenlinie wahr, selbst wenn das Wasser trüb ist.
- Umriss und Farbe: Nach Braun und Arlinghaus spricht die bisherige Faktenlage eher gegen große fangsteigernde Wirkungen der Köderfarbe. Eine sehr wichtige Rolle spiele oft der Kontrast: Ein Köder mit dunklem Bauch hebt sich gegen das Licht von oben ab.
- Duft und Geschmack: Aal und Wels riechen sehr fein, und der Wels findet ruhende Nahrung über den Geschmackssinn. Auf Aal fischt man laut Blinker vor allem mit dem Laufblei am Grund, bewährte Köder sind Wurm und toter Köderfisch. Ob du auf Aal angeln darfst, regelt dein Bundesland.
Häufige Fragen
Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick
Können Fische Farben sehen?
Ja. Barsch, Hecht und Zander haben Zapfen für Grün und Rot. Hecht und Barsch sehen aber kein Blau.
Sieht dich der Fisch, wenn du dich am Ufer klein machst?
Bei glatter Oberfläche sieht er alles, was über die Uferlinie ragt, solange er nicht zu dicht am Ufer steht. Wer sich duckt und langsam bewegt, zeigt weniger Umriss. Unsichtbar wird er nicht.
Wozu hat der Wels Barteln?
Barteln tragen Geschmacksknospen und Tastkörperchen. Der Wels nutzt seine sechs Barteln laut DAFV zur Orientierung im oft trüben Wasser und nimmt damit Beute und Artgenossen wahr.
Passend dazu
- Wels: Porträt mit Standplätzen und Fangzeiten
- Zander und Hecht: Merkmale und Standplätze
- Aal: Lebensweise, Köder und Schutzstatus
- Köder im Überblick: Natur- und Kunstköder im Vergleich
- Wetter, Luftdruck und Wind: was zu Licht und Trübung belegt ist
- Spinnfischen: Ausrüstung und Köderführung
- Körperbau und Flossen der Fische: wo Seitenlinie, Kiemen und Flossen sitzen
Quellen
- Spektrum, Lexikon der Biologie: Seitenlinienorgane, Ferntastsinn, Fische, Gehörorgane, Weber-Knöchelchen, Akkommodation, chemische Sinne, Barteln (Bau und Leistung der Sinnesorgane)
- Spektrum: Lexikon der Physik, Schallgeschwindigkeit; Lexikon der Neurowissenschaft, Farbensehen (Schallwerte, Zapfen)
- Deutscher Angelfischerverband: Broschüre „Der Europäische Wels“ (PDF) und Seite zum Fisch des Jahres 2026 (Sinne des Welses, Versuch zur Seitenlinie)
- Landesfischereiverband Bayern: Fischlexikon (Merkmale der genannten Arten)
- Marlon Braun und Robert Arlinghaus: Durch die Augen eines Räubers, Blinker 07/2024, PDF der Humboldt-Universität zu Berlin (Farbensehen, Zanderauge, Köderfarbe)
- LEIFIphysik: Fischsicht (Blick nach oben)
- Blinker: Auf leisen Sohlen, Pirschangeln auf Forelle; Spinnfischen mit dem Spinner; Steckbrief Aal (Praxis: Erschütterungen, Schatten, Köder)
- Planet Wissen: Die Sinne der Fische (Lage des Innenohrs, Erschütterungen)
- FishBase: Cyprinus carpio (Barteln des Karpfens)
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Wie stark ein Sinn das Verhalten bestimmt, unterscheidet sich von Art zu Art und von Gewässer zu Gewässer.
