Wer einen Fisch landen will, soll den Drill nicht unnötig in die Länge ziehen und den Fisch nur so lange wie nötig aus dem Wasser nehmen. Schleimhaut, Flossen und Kiefer sind empfindlich. Die folgenden Punkte beruhen auf Hinweisen aus der Angelpraxis und von Fischereiberatern.
Den Drill beenden, bevor der Fisch erschöpft ist

Je länger der Drill dauert, desto stärker ist der Fisch belastet. Wähle deshalb Schnur und Rute passend zum Zielfisch und stelle die Bremse so ein, dass du den Fisch zügig führen kannst. Wie das geht, steht unter Rollenbremse einstellen. Der Kescher sollte vor dem Biss bereit liegen, damit du ihn nicht erst im Drill suchen musst.
Kescher: weich, knotenlos und waagerecht
Weiches, knotenloses Netzgewebe und gummierte Kescher verursachen nach Studien, auf die sich Blinker beruft, die geringsten Schäden an Schleimschicht und Schuppenkleid. Ein engmaschiges Netz verhindert, dass Flossen durch die Maschen rutschen. Der Kescher sollte groß genug sein und einen flachen Netzboden haben, damit der Fisch waagerecht aus dem Wasser kommt und sein Gewicht verteilt wird. Gummierte Netze haben außerdem den Vorteil, dass Haken weniger hängen bleiben.
Nasse Hände und Abhakmatte
- Netze Hände oder Tuch, bevor du den Fisch anfasst; trockene Haut und trockene Handschuhe beschädigen die Schleimschicht.
- Lege den Fisch nie auf trockenen Untergrund wie Steine, Beton oder Gras. Nutze eine Abhakmatte, die du vorher nassmachst.
- Halte den Fisch waagerecht und stütze ihn; senkrecht gehalten belastet das Gewicht die Wirbelsäule, besonders bei großen Fischen.
- Halte den Fisch nicht an den Kiemen fest, wenn du den Griff nicht sicher beherrschst; Kiemen sind sehr empfindlich.
Haken lösen
Halte den Hakenlöser griffbereit, bevor der Fisch im Kescher liegt. Untermaßige oder geschützte Fische löst du möglichst im Wasser, ohne sie anzuheben. So verkürzt sich die Zeit an der Luft. Sitzt der Haken tief, schneide das Vorfach ab, statt lange zu versuchen, ihn herauszuziehen; ob der Fisch zurückgesetzt werden darf oder zu entnehmen ist, klärst du zuerst nach dem Gesetz (siehe Fisch zurücksetzen).
Messen und Fotografieren möglichst kurz
Messen, Wiegen und Fotografieren belasten den Fisch zusätzlich. Bereite Maßband und Kamera vor, halte den Fisch niedrig über Wasser oder Matte und beende die Aufnahme zügig. Setzt du den Fisch zurück, hältst du ihn im Wasser, bis er aus eigener Kraft davonschwimmt.
Praxistipp: Beim Lip-Grip (Kiefergreifer) traten laut Blinker in untersuchten Fällen bei 80 bis 100 Prozent der Fische Verletzungen am Unterkiefer auf, von Quetschungen bis zu gespaltenen Kiefern. Verwende ihn nur mit Vorsicht oder nutze lieber den Kescher.
Typische Fehler
Viele Schäden entstehen nicht im Drill, sondern danach durch Handhabung. Die folgenden Punkte tauchen in Praxisberichten immer wieder auf.
- Fisch auf Steine oder trockenes Gras legen.
- Mit trockenen Händen oder Handschuhen zugreifen.
- Fisch mit Kescher ohne flachen Boden senkrecht hochreißen.
- Fisch für Fotos lange in der Luft halten.
- Werkzeug zum Haken lösen erst im Moment des Fangs suchen.
Wann du den Fisch im Wasser lässt
Soll ein Fisch ohnehin zurück, etwa weil er untermaßig oder in der Schonzeit gefangen wurde, bleibt er am besten ganz im Wasser. Du führst ihn in den Kescher, der im Wasser hängt, und löst den Haken dort. Das spart Luftzeit und Griffe. Entnimmst du den Fisch, hebst du ihn auf die nasse Matte und betäubst ihn zügig; der Ablauf steht unter Fisch betäuben und töten.
Ausrüstung, die den Umgang erleichtert
Ein Hakenlöser erleichtert das Lösen. Eine Matte, die du vorher nassmachst, schützt Schleimschicht und Schuppen. Ein Kescher mit ausreichender Tiefe und flachem Boden hilft, den Fisch waagerecht zu halten. Teure Ausrüstung ist dafür nicht nötig; wichtiger ist, dass alles vor dem Biss bereitliegt.
Häufige Fragen
Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick
Muss der Kescher gummiert sein?
Das hängt vom Bundesland ab. Laut Blinker schreibt etwa das Hamburgische Fischereirecht gummierte Kescher vor (Stand 2021). Ob das für dein Gewässer gilt, steht in der Fischereiordnung des Landes oder in den Erlaubnisbedingungen. Unabhängig davon gelten weiche, knotenlose und gummierte Netze als schonender.
Darf ich den Fisch mit bloßen Händen anfassen?
Ja, wenn du die Hände vorher nassmachst. So bleibt die Schleimschicht möglichst unversehrt, die den Fisch vor Krankheitserregern schützt.
Wie lange darf der Fisch aus dem Wasser?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Als Grundsatz gilt: so kurz wie möglich. Bereite Messen, Haken lösen und Foto vor, bevor du den Fisch anhebst.
Quellen
- Blinker: Fische landen, Kescher, Lip-Grip und Co. (Kescher-Material, waagerechtes Heben, nasse Hände, Matte, kurze Luftzeit, Hakenlöser, Abhaken im Wasser, Lip-Grip-Verletzungen, Hamburger Vorgabe)
- Tierschutzgesetz § 1 (Verbot vermeidbarer Schmerzen, Leiden und Schäden)
- Petri-Heil: Vom Haken zurück ins Wasser (Drill nicht unnötig verlängern, Kescher benutzen, Luftzeit und Schleimhaut)
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist das Recht deines Bundeslandes und die Gewässerordnung.
