Wassertemperatur und Sauerstoff

Die Wassertemperatur und der Sauerstoffgehalt steuern, wo Fische stehen und wie aktiv sie sind. Hier erfährst du, wie die Schichtung im See entsteht, was Epilimnion, Metalimnion und Hypolimnion bedeuten und welche Arten kühles oder warmes Wasser bevorzugen.

Tiefer See im Sommer im Querschnitt mit drei Schichten: oben das warme, von Wind und Abkühlung durchmischte Epilimnion, darunter das Metalimnion als Sprungschicht, unten das kalte Hypolimnion mit kaum Austausch. Rechts daneben die Temperaturkurve: oben warm, in der Sprungschicht rasch fallend, unten rund 4 °C.Epilimnionwarm, durchmischtMetalimnionSprungschichtHypolimnionkalt, kaum AustauschTemperaturkaltwarm4 °C
Abb. 1 · Schichtung eines tiefen Sees im Sommer, rechts der Temperaturverlauf über die Tiefe. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Fische sind wechselwarm

Querschnitt durch einen geschichteten See im Sommer, Fische nur in den oberen Schichten
Querschnitt durch einen geschichteten See im Sommer, Fische nur in den oberen Schichten.
KI-generiert

Fische regeln ihre Körpertemperatur nicht selbst, sie folgt der des Wassers. Deshalb hängt ihr Stoffwechsel und damit ihre Aktivität stark von der Wassertemperatur ab. Laut dem Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) führen Temperaturen über dem artspezifischen Bereich zu Stress und können die Fangchancen senken; als Beispiel nennt er sinkende Fangraten beim Hecht bei höheren Temperaturen. Jede Art hat also einen Bereich, in dem sie sich wohlfühlt, und der liegt nicht überall gleich.

Kaltwasser- und Warmwasserarten

Grob lassen sich Arten nach ihren Ansprüchen einteilen. Die Flussregionen zeigen das gut: Laut Wikipedia überschreitet die Wassertemperatur in der Forellenregion selten etwa 10 °C, in der Äschenregion liegt sie bis etwa 15 °C, in der Brachsenregion im Sommer bis etwa 20 °C. Die Zahlen sind Richtwerte für die Regionen, keine Grenzen für einzelne Fische.

  • Kaltwasserarten: Bachforelle und Äsche brauchen kühles, sauerstoffreiches Wasser.
  • Arten mit mittleren Ansprüchen: Hecht, Barsch und Zander kommen in vielen Gewässertypen vor.
  • Wärmeliebende Arten: Karpfen, Schleie und Wels sind in warmen, ruhigen Gewässern häufig und im Sommer besonders aktiv.

Die Einteilung ist grob. Wo eine Art im Einzelfall steht, hängt von Gewässer, Futter und Struktur ab.

Sauerstoff im Wasser

Fische atmen den im Wasser gelösten Sauerstoff. Es gilt als Grundregel der Gewässerkunde, dass kaltes Wasser mehr Sauerstoff aufnehmen kann als warmes. Im Sommer, wenn die Atmung der Fische und der Abbau von organischem Material mehr Sauerstoff verbrauchen, kann es deshalb knapp werden. Strömung bringt Sauerstoff ins Wasser, Wasserpflanzen erzeugen ihn bei Licht. Laut Wikipedia ist die Brachsenregion im Unterlauf eines Flusses sauerstoffärmer als der Oberlauf.

Fische meiden sauerstoffarme Zonen. Sie weichen aus in Bereiche mit frischem Wasser, etwa an Zuläufe, Wehre, Windufer oder in tiefere Bereiche. Das kann die Stellen im Gewässer bei Hitze verschieben.

Schichtung im See: Epilimnion, Metalimnion, Hypolimnion

Im Sommer teilt sich ein ausreichend tiefer See in drei Schichten. Das Schema oben zeigt sie. Die Fachbegriffe sind:

  • Epilimnion: Die obere, warme und durchmischte Schicht. Sie wird von der Sonne erwärmt und von Wind und nächtlicher Abkühlung durchmischt (laut Wikipedia).
  • Metalimnion (Sprungschicht): Die Übergangsschicht, in der die Temperatur rasch abfällt. Laut Wikipedia sinkt sie im Metalimnion im Mittel um mehr als ein Grad je Meter Tiefe. Die Grenze, an der die Temperatur am stärksten springt, heißt Thermokline.
  • Hypolimnion: Die untere, kalte Schicht mit kaum Austausch. Laut Wikipedia bleibt sie bei rund 4 °C (3,98 °C); sie bildet sich nur, wenn der See tief genug ist. In flachen Seen reicht die Sprungschicht bis zum Grund.

Der Grund liegt in einer Besonderheit des Wassers: Es ist bei rund 4 °C am dichtesten, dieser Wert wird Dichteanomalie genannt. Wärmeres Wasser ist leichter und bleibt oben. Dieses Wasser mischt sich nicht ohne Weiteres mit dem Tiefenwasser. Laut Lake stratification (Wikipedia) bleibt Sauerstoff dadurch in den oberen Schichten, und die Tiefe kann sauerstoffarm werden. Fische halten sich im Sommer deshalb oft in den Schichten über der Sprungschicht auf. Ob sie die Sprungschicht gezielt nutzen, hängt von Art und See ab.

Sommer- und Winterstagnation

Mit Stagnation ist die stabile Schichtung gemeint. Die Sommerstagnation gibt es bei warmem Oberflächenwasser, die Winterstagnation bei Eis: Wegen der Dichteanomalie ist Wasser unter 4 °C leichter, bleibt oben und kann gefrieren, während darunter etwas wärmeres Wasser liegt. Im Herbst kühlt das Oberflächenwasser ab, die Schichtung bricht auf, und der See wird durchmischt; im Frühjahr geschieht das auf ähnliche Weise. Laut Lake stratification (Wikipedia) werden Sauerstoff und Nährstoffe dabei im Wasserkörper neu verteilt.

Hinweis: Die Lage der Schichten ändert sich von See zu See und von Jahr zu Jahr. Pauschale Tiefenangaben für die Sprungschicht gibt es deshalb nicht.

Was das für die Aktivität bedeutet

Bei sehr niedrigen Temperaturen laufen Stoffwechsel und Futtersuche langsamer, Fische fressen weniger und stehen oft ruhig. Im Sommer sind sie bei Hitze oft in kühleren oder sauerstoffreicheren Bereichen oder fressen in den Randzeiten. In dieser Spanne zwischen den Extremen sind viele Arten am aktivsten. Das sind Erfahrungswerte, die sich mit den Beschreibungen der Quellen decken, aber nicht für jede Art im gleichen Maß gelten.

Häufige Fragen

Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick

Was ist die Sprungschicht?

Das Metalimnion: die Schicht in einem geschichteten See, in der die Temperatur mit der Tiefe schnell abfällt. Sie liegt zwischen dem warmen Epilimnion und dem kalten Hypolimnion.

Warum brauchen Fische Sauerstoff im Wasser?

Sie atmen mit den Kiemen den im Wasser gelösten Sauerstoff. Ist er knapp, weichen sie aus oder werden träge. Kaltes, bewegtes Wasser enthält meist mehr davon als warmes, stehendes.

Hat jeder See eine Sprungschicht?

Nein. Sie bildet sich nur in tiefen Seen und im Sommer. In flachen Seen und Teichen wird das Wasser meist durchgehend vermischt.

Quellen

Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Temperaturbereiche gelten für Flussregionen und nicht für einzelne Fische; der Sauerstoffbedarf unterscheidet sich je Art.