Eis betreten

Eine Eisdecke trägt nicht überall gleich, und von oben ist ihr das kaum anzusehen. Hier stehen die Richtwerte, ab denen DLRG und Wasserwacht das Eis eines Gewässers für betretbar halten, die typischen Schwachstellen und der Rat der Rettungsorganisationen für den Fall eines Einbruchs.

Querschnitt durch einen zugefrorenen See mit dem Ufer im Hintergrund. Links steht eine Person auf dickem Eis, ein Maßpfeil nennt 15 cm. In der Mitte mündet ein Bach als Zulauf, davor ist das Eis dünn, Pfeile zeigen die Strömung, ein Warnschild steht auf dem dünnen Eis. Rechts wächst Schilf durch dünnes Eis.15 cmtragfähiges EisZulaufdünnes EisStrömungSchilfSeegrund
Abb. 1 · Eisdecke im Querschnitt: links tragfähiges Eis mit dem DLRG-Richtwert für Seen, in der Mitte dünnes Eis vor einem Zulauf, rechts Schilf. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Richtwerte zur Eisdicke

Die Eisregeln der DLRG nennen zwei Zahlen: Einen See betrittst du erst, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist, ein fließendes Gewässer erst bei 20 Zentimetern. Die DRK-Wasserwacht nennt dieselben Werte.

StelleMindestdickeBezug
DLRG, DRK-Wasserwacht15 cmstehendes Gewässer
DLRG, DRK-Wasserwacht20 cmfließendes Gewässer
Wasserwacht Bayern10 cm KerneisFaltblatt von 2008
Stadt Hannover13 cm, durchgehendFreigabe des Maschsees
Deutscher Wetterdienst20 cmweißes Eis, Schnee, viele Personen

Keine dieser Zahlen ist eine Zusage. Eis kann laut DLRG trotz vermeintlich ausreichender Dicke zu wenig tragen.

Für die Freigabe einer Eisfläche sind die örtlichen Behörden zuständig, schreibt der Deutsche Feuerwehrverband. Die Wasserwacht Bayern betont, dass sie keine Behörde ist und keine Eisflächen freigeben kann. Die DLRG rät, beim zuständigen Amt nachzufragen.

Warum eine Eisdecke ungleich trägt

Die Tragfähigkeit hängt nach dem Deutschen Wetterdienst (DWD) nicht nur von der Dicke ab, sondern entscheidend von der Qualität des Eises.

  • Schwarzes und weißes Eis: Schwarzes Eis entsteht bei ruhigem Hochdruckwetter ohne Niederschlag, ist glatt, fast ohne Lufteinschlüsse und besonders tragfähig. Weißes Eis bildet sich, wenn Schnee auf dem Eis bei Tauwetter oder Regen zu Matsch wird und wieder gefriert. Es kann laut DWD bei gleicher Dicke um den Faktor zehn weniger tragen.
  • Schnee: Fällt er kurz nach der Eisbildung, isoliert er und bremst das Wachstum der Eisdecke (DWD).
  • Zuläufe und Strömung: An Ein- und Ausflüssen kann die Eisdicke plötzlich abnehmen (Feuerwehrverband), ebenso über Strömungen und Quellen (Wasserwacht Bayern). Wo viel Grundwasser zutritt, bleibt das Eis dünner, Baggerseen frieren deshalb oft spät oder gar nicht zu (DWD). Mehr unter Strömung lesen.
  • Schilf, Brücken, dunkle Stellen: Bei Schilf, unter Brücken und über aufsteigenden Gasen ist das Eis oft deutlich dünner (DWD). An dunklen Stellen kann es zu dünn sein, warnt der Feuerwehrverband.
  • Wasserstand: Die Wasserwacht Bayern nennt auch Wasserstandsänderungen, wie sie an der Talsperre vorkommen.
  • Tauwetter: Steigen die Temperaturen, wird das Eis dünner und verändert seine Struktur. Im Frühjahr macht die Sonne es morsch und brüchig (DWD).

Ein See gefriert nach DWD erst, wenn er bis in die Tiefe auf etwa 4 Grad abgekühlt ist, mehr dazu unter Wassertemperatur und Sauerstoff. Die DLRG rät, nicht gleich an den ersten kalten Tagen aufs Eis zu gehen.

Warnzeichen unter den Füßen

Knistert und knackt das Eis, verlässt du es sofort (DLRG). Der Deutsche Feuerwehrverband nennt zwei weitere Zeichen: Risse und Wasser, das schwallweise auf die Oberfläche tritt. Senkt sich das Eis unter Last stark ab, reißt es nach DWD erst an der Unterseite, dann an der Oberfläche, und der Einbruch steht unmittelbar bevor.

Die Zeitschrift Blinker rät Anglern, nassen, matschigen Schnee auf dem Eis zu meiden: Dort sei es so dünn, dass Wasser durchsickert. Dasselbe gelte für Sammelplätze von Wasservögeln.

Drohst du einzubrechen, legst du dich flach aufs Eis und bewegst dich vorsichtig auf demselben Weg zurück zum Ufer (DLRG). Dort kann das Eis nach einigen Metern wieder tragen, schreibt die Wasserwacht Bayern.

Vorbereitung und Verhalten

  • Nie allein: So verlangt es die DLRG. Bist du allein und niemand mehr in der Nähe, verlässt du das Eis (Wasserwacht Bayern).
  • Abstand halten: Die Tragfähigkeit hängt laut Wasserwacht Bayern auch vom Körpergewicht, von der Zahl der Personen und ihrem Abstand ab. Stehende Lasten sind nach DWD gefährlicher als bewegte, setzt euch also nicht zu mehreren dicht an ein Eisloch.
  • Eispicker griffbereit: Das sind Griffe mit Dornen, die auf dem Eis Halt geben. Die Wasserwacht Bayern führt sie als persönliche Ausrüstung. Blinker empfiehlt Anglern, solche Rettungsdorne um den Hals zu tragen und im Notfall nacheinander ins Eis zu schlagen.
  • Leine und Rettungsmittel: Leinen und Seile zählen bei DLRG und Wasserwacht zu den Hilfsmitteln der Rettung, am Ufer liegen oft Eisrettungsleiter, Rettungsring oder Wurfsack aus. Merk dir, wo.
  • Kein Steinwurf als Probe: Ein Stein, der liegen bleibt, ist laut Wasserwacht Bayern keine Garantie für die Tragfähigkeit.

Je weiter draußen, desto schwerer wird Hilfe: Gerettet wird nach der DLRG möglichst vom Land aus. Sicher ist der Uferstreifen trotzdem nicht, wenn dort Schilf steht oder ein Bach mündet.

Am Eisloch: Hinweise für Angler

Am Bohrloch misst du die Dicke. Blinker rät, auf frischem Eis alle paar Meter eine Probebohrung zu setzen: Am Ufer könne es schon 20 Zentimeter dick sein und in der Mitte erst 3. Die Zeitschrift nennt Eis ab 10 Zentimetern sicher, die DLRG verlangt für Seen 15.

Auf den Gewässern des Landesanglerverbands Brandenburg darf ein Eisloch an der Unterseite höchstens 20 Zentimeter Durchmesser oder Kantenlänge haben und ist nach dem Angeln deutlich zu kennzeichnen (Gewässerordnung). Das Fischereiamt Berlin verlangt Zweige oder Stöcke als Markierung und beruft sich auf die Berliner Eisflächenverordnung. Der Grund: Ein Loch bleibt nach der Wasserwacht Bayern auch Tage später eine mögliche Einbruchstelle. Fremde Markierungen umgehst du mit Abstand.

Wenn jemand einbricht

Du selbst

Schon wenige Minuten im Eiswasser machen die Glieder nach Angaben der DLRG so steif, dass eine Selbstrettung scheitert. Der Ablauf nach DLRG, DRK und Wasserwacht:

  • Arme sofort ausbreiten, damit du nicht unter das Eis tauchst, und laut um Hilfe rufen. Die Kleidung bleibt an.
  • Das dünne Eis in der Richtung abbrechen, aus der du gekommen bist, bis es wieder trägt.
  • Dich flach in Bauch- oder Rückenlage auf die Eisfläche schieben oder rollen und zum Ufer kriechen. Eispicker geben Halt.

Als Helfer

Die eigene Sicherheit geht vor, schreibt die DLRG. Rettungsversuche auf dem Eis sind nach DWD extrem gefährlich und möglichst den Einsatzkräften zu überlassen. Zuerst wählst du die 112 oder lässt jemanden anrufen.

  • Hilf vom Ufer aus, wo es geht: Brett, Stange, Leiter, Ast oder Leine zureichen, zuschieben oder zuwerfen (DLRG).
  • Musst du aufs Eis, dann nie stehend: Du schiebst dich liegend vor, am besten auf einem breiten Brett, und lässt dich von einem zweiten Helfer mit einer Leine sichern.
  • Reiche nie die Hand, sondern einen Gegenstand. Eingebrochene haben Todesangst und enorme Kräfte, schreibt die Wasserwacht Bayern.
  • In fließendem Wasser treibt ab, wer unter das Eis gerät. Ohne Ausrüstung bleibt nach der DLRG nur der schnelle Notruf.

Nach der Rettung

Eine Unterkühlung kann lebensbedrohlich sein, deshalb rufst du nach jeder Rettung den Notarzt (DLRG). Bis er eintrifft, bringst du die Person an einen warmen Ort, entfernst dort die nasse Kleidung und wickelst sie in Decken. Reiben und Wärmflasche unterbleiben. Wer bei Bewusstsein ist, bekommt warme, gezuckerte Getränke, keinen Alkohol.

Wird die Person müde, starr oder bewusstlos, unternimmst du nach dem DRK keine Aufwärmversuche mehr, deckst sie zu und prüfst wiederholt Bewusstsein und Atmung. Bewusstlose mit normaler Atmung kommen in die stabile Seitenlage, ohne normale Atmung folgt die Herz-Lungen-Wiederbelebung.

Hinweis: Der Abschnitt gibt wieder, was DLRG, DRK und Wasserwacht veröffentlichen. Er ersetzt keinen Rettungs- oder Erste-Hilfe-Kurs und keine ärztliche Beratung.

Verbote und Freigaben vor Ort

Ob du ein zugefrorenes Gewässer betreten darfst, entscheidet sich vor Ort. In Bayern können Gemeinden das Betreten von Eisflächen durch Verordnung verbieten, Verstöße können mit Geldbuße belegt werden (Art. 27 LStVG). München nennt das Betreten der Eisflächen städtischer Gewässer grundsätzlich verboten. Hannover gibt nur den Maschsee frei, und erst ab 13 Zentimetern.

Für Angler kommt die Gewässerordnung dazu. Der Landesanglerverband Brandenburg erlaubt das Eisangeln auf seinen Gewässern, sofern keine Behörde und kein Vorstandsbeschluss entgegensteht, und zwar auf eigene Gefahr. Das sind Beispiele, Stand Oktober 2026. Was an deinem Gewässer gilt, steht im Erlaubnisschein und in der Gewässerordnung (Erlaubnisschein und Gewässerkarte). Beachte außerdem Schilder und Absperrungen am Ufer.

Häufige Fragen

Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick

Ab wie viel Zentimetern trägt Eis?

Die DLRG nennt 15 Zentimeter für einen See und 20 für ein fließendes Gewässer. Die Dicke allein sagt wenig, weil weißes Eis nach DWD weit weniger trägt als schwarzes.

Was tun, wenn das Eis knackt?

Ruhig bleiben, flach hinlegen und auf demselben Weg zurück zum Ufer kriechen. So verteilst du dein Gewicht.

Trägt das Eis auf einem Fluss?

Die DLRG verlangt dort 20 Zentimeter statt 15. Wer in der Strömung unter das Eis gerät, treibt ab, und Helfern bleibt nach der DLRG nur der Notruf.

Passend dazu

Quellen

Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.

Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Ob eine Eisfläche trägt, lässt sich nur vor Ort beurteilen. Der Text ersetzt keine behördliche Freigabe, keinen Rettungskurs und keine ärztliche Beratung.