Wissen · Gewässerarten

Angeln am See

Am natürlichen See verteilen sich die Fische nicht gleichmäßig. Sie halten sich an Pflanzen, an Kanten und an Erhebungen im Grund, und die Stellen wechseln mit den Jahreszeiten. Hier steht, woran du solche Plätze erkennst, wie du sie abfischst und welche Papiere du am Wasser brauchst.

Querschnitt durch einen See vom Ufer ins Tiefe: Schilf am Ufer, davor Seerosen, Kraut auf der flachen Uferbank, dann die Scharkante als Abbruch ins tiefe Wasser, weiter draußen ein Barschberg und darüber das Freiwasser. Ein Zander steht an der Kante, ein Barsch am Barschberg.SchilfSeerosenKrautScharkanteBarschbergFreiwasserUferbank
Abb. 1 · Querschnitt vom Ufer ins Tiefe: Schilf, Seerosen, Kraut, Uferbank, Scharkante und Barschberg. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Was einen natürlichen See ausmacht

Halbschnitt am Seeufer mit Schilf, Seerosen, Hecht, Barschen und Schleie
Halbschnitt am Seeufer mit Schilf, Seerosen, Hecht, Barschen und Schleie.
KI-generiert

Natürliche Seen sind in der Regel nach der Eiszeit entstanden. Oft haben sie einen Zu- und einen Ablauf, und ein Gürtel aus Röhricht und Schwimmblattpflanzen ist für sie typisch (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei). Die Gewässerkunde teilt den See in Uferzone, Tiefenzone und Freiwasser; höhere Pflanzen wachsen nur in der Uferzone (Lexikon der Geowissenschaften).

Vor dem Ufer liegt meist eine flache Uferbank, die je nach Gegend Schaar oder Wysse heißt. Wo sie ins Tiefe abbricht, sprechen Angler von der Scharkante. Wie sich der See vom Fluss und vom Teich unterscheidet, steht bei den Gewässertypen.

Beim ersten Besuch am See besorgst du laut Blinker zuerst eine Tiefenkarte, meist beim Angelverein oder Händler vor Ort. Vom Boot aus zeigt ein Echolot Erhebungen und Kanten, vom Ufer hilft ein Lotblei beim Ausloten.

Stellen, an denen Fische stehen

  • Schilf und Seerosen: Der Hecht steht versteckt zwischen Wasserpflanzen und wartet auf Beute. Die Schleie bleibt tagsüber im Pflanzenbestand und sucht erst in der Dämmerung den Boden ab (Landesfischereiverband Bayern). Röhricht und Schwimmblattpflanzen bieten Fischen Nahrung und Schutz (Fischereiamt Berlin). Ein Blinker-Autor fand im Frühjahr Meterhechte an Schilfkanten in höchstens einem halben Meter Wasser (Blinker).
  • Krautfelder: Der Barsch bevorzugt Stellen mit üppigem Pflanzenwuchs, die Rotfeder hält sich nah am Ufer und nah an der Oberfläche auf (Landesfischereiverband Bayern). Im dichten Kraut geht der Köder verloren. Am Krautrand, wo das Kraut dünner wird, beschreibt Blinker eine „Schleienstraße“ in etwa 6 Metern Wasser.
  • Scharkante: Am Abbruch der Uferbank sammeln sich Kleinfische, deshalb suchen Raubfische wie der Zander die Kante ab. Auch größere Brassen findet man dort häufig (Wikipedia: Zander, Brachse).
  • Barschberg: So heißt eine Erhebung, die vom tiefen Grund aufragt. Nach Blinker lieben Barsche solche Strukturen und bleiben in der Nähe von Weißfischschwärmen; an der Oberfläche verraten sie sich, wenn sie Kleinfischen nachjagen.
  • Versunkenes Holz: In einem Forschungsprojekt an Baggerseen hielten sich Hechte und Barsche gern an versenkten Astbündeln auf, vor allem im Winter, wenn die Unterwasserpflanzen abgestorben sind (IGB).
  • Einläufe: An Stauseen nennt Blinker den Einlaufbereich im Frühjahr einen sehr vielversprechenden Platz für Zander: flach, mit sauerstoffreichem Wasser.
  • Freiwasser: Schwebrenken ziehen durchs offene Wasser und filtern Plankton (Landesfischereiverband Bayern). Ein Blinker-Autor fing große Hechte an einem Baggersee mitten im Freiwasser.

Welcher See, welcher Fisch

Der Seetyp legt mit fest, wer dort steht. Nach Blinker machen zwei Merkmale ein gutes Zandergewässer aus: fester Boden mit viel Kies und Sand sowie trübes Wasser. An sehr klaren oder verkrauteten Seen dominiere dagegen der Hecht. Die Renke lebt laut LFV Bayern in größeren, klaren und nährstoffarmen Seen.

  • Hecht: Schilf, Seerosen, Kraut, später auch Freiwasser; Laichzeit Februar bis Mai
  • Barsch: Kraut, Barschberge, Holz, Spundwände; Laichzeit März bis Juni
  • Zander: Scharkante, trübes Wasser mit festem Grund; Laichzeit April bis Juni
  • Schleie: Kraut- und Schilfzonen, nachts am Boden; Laichzeit Mai bis Juli
  • Brachse: Scharkante, im Winter tiefe Stellen; Laichzeit Mai bis Juni

Laichzeiten laut Fischlexikon des LFV Bayern; Schonzeiten regelt dein Bundesland, mehr unter Schonzeit und Mindestmaß erklärt. Dazu kommen Rotauge, Rotfeder und Karpfen, der nachtaktive Aal und die Maräne in klaren Seen. Welche Arten bei dir vorkommen, sagt der Bewirtschafter, wann sie beißen, der Fangkalender.

Wie sich die Stellen übers Jahr verschieben

Im Frühjahr zieht es viele Arten ins Flache. Hecht und Brachse legen ihre Eier an seichten, bewachsenen Uferstellen ab, das Rotauge laicht im Flachwasser an Pflanzen, Wurzeln oder Steinen (LFV Bayern). Zander stehen laut Blinker direkt nach der Laichzeit noch einige Wochen in den flachen Bereichen, weil kurz darauf die Weißfische laichen. Der Beitrag empfiehlt 10 bis 15 Zentimeter lange Gummifische an leichten Jigköpfen, grundnah.

Im Sommer ist ein tiefer See geschichtet. Was das für die Tiefe bedeutet, in der du fischst, steht bei Wassertemperatur und Sauerstoff. Beim Schleppen im Freiwasser läuft der Köder für Zander nach Blinker knapp über der Sprungschicht. Der Hecht-Autor lässt flache Bereiche im Hochsommer in Ruhe. Brachsen suchen nachts die seichten Uferbereiche nach Nahrung ab, Schleien kommen in der Dämmerung an den Boden.

Im Herbst fressen sich Hechte Reserven an, und der Hecht-Autor fischt bis in 10 Meter Tiefe, wenn sie zu den Winterplätzen ziehen. Zander stehen mit fallender Temperatur tiefer, Bereiche unter 10 Metern schließt der Zander-Beitrag für den Herbst noch aus.

Im Winter stehen die Fische tiefer. Brachsen halten in großen Scharen an tieferen, geschützten Stellen Winterruhe, Schleien graben sich im Schlamm ein. Das Kraut stirbt ab, übrig bleiben Holz, Kanten und Erhebungen. Den ganzen Ablauf zeigt die Seite Jahresverlauf am Wasser.

Querschnitt durch einen tiefen See mit den Standplätzen im Jahresverlauf: im Frühjahr ein Hecht flach am Schilf, im Sommer ein Zander knapp über der Sprungschicht, im Herbst ein Hecht bis in rund 10 Meter Tiefe, im Winter Brachsen in der tiefen, geschützten Mulde.SchilfFrühjahrSommerHerbstWinterSprungschicht10 m
Abb. 2 · Standplätze im Jahresverlauf, Tiefen nur als Richtwert. Die Sprungschicht liegt je nach See und Sommer tiefer oder flacher. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Eine Stelle systematisch abfischen

Ein großer See wird überschaubar, wenn du den Bereich vor dir als eigenes Revier behandelst. Der Hecht-Autor wirft zuerst einen schnell sinkenden Köder und zählt die Absinkzeit (im Beispiel 1 Sekunde pro Meter), um die Tiefe einzuschätzen. Danach fächert er die Würfe im Abstand von etwa 5 Metern, erst flach, dann tiefer. Das passt zum Spinnfischen an Schilf, Krautrand und Kante, für Barsche an der Kante auch zum Dropshot-Rig, fürs Kraut zum Texas-Rig.

Die Schleie verlangt ein anderes Vorgehen. Nach Blinker liegt die Montage direkt vor dem Schilf, wo es durchschnittlich einen halben bis einen Meter tief ist. Dort rechnet der Autor bis etwa neun Uhr morgens mit regelmäßigen Bissen. Als Gerät nennt er eine Match- oder Posenrute von 3,60 bis 3,90 Metern, eine 0,20er Hauptschnur (im verkrauteten Wasser 0,25er) und Haken der Größen 10 bis 14. Dazu passt das Posenangeln mit der Posenmontage. Auf dem Futterplatz verraten feine Gründelblasen die Schleie, Karpfenblasen sind dichter und größer. Auf Brachse und Aal passen Grundangeln und Feedern, zum Beispiel mit der Laufmontage mit Grundblei.

Typische Fehler

  • Tiefe nicht ausgelotet: Der Köder versinkt laut Blinker im Sediment oder im Kraut, wo ihn kein Fisch findet.
  • Zu schweres Gerät auf Schleie: Nach Blinker ist es dafür nicht nötig, fein fischt meist besser.
  • Zur falschen Zeit am Wasser: Die Schleie beißt morgens deutlich besser als am Vormittag, danach folgt meist eine Flaute (Blinker).
  • Köder unter der Sprungschicht im trüben See: Die Fische stehen darüber. Die Seite Wassertemperatur und Sauerstoff erklärt die Schicht.
  • Ins Schilf gehen: Röhricht ist geschützt, und im Erlaubnisschein stehen oft weitere Auflagen (siehe unten).

Papiere, Boot und Schilf

Zum Fischereischein kommt am See der Erlaubnisschein des Fischereiberechtigten. In Bayern zum Beispiel muss jeder, der nicht selbst Berechtigter oder Pächter ist, einen gültigen Erlaubnisschein bei sich führen (Bayerisches Fischereigesetz, Art. 26). Mehr dazu: Erlaubnisschein und Gewässerkarte, Fischereischein.

  • Boot: Ob du vom Boot angeln darfst, steht im Erlaubnisschein oder in der Gewässerordnung. Der Landesanglerverband Brandenburg gestattet Boote auf seinen Verbandsgewässern, soweit nichts anderes bestimmt wurde. Schleppangeln unter Segel oder mit Motorkraft verbietet dort die Fischereiordnung (Gewässerordnung des LAVB, BbgFischO, § 4).
  • Schilf: Röhrichte und naturnahe Verlandungsbereiche sind bundesweit gesetzlich geschützte Biotope. Verboten ist, was sie zerstören oder erheblich beeinträchtigen kann (§ 30 Bundesnaturschutzgesetz). In Brandenburg darfst du die bewachsene Uferzone weder betreten noch befahren (BbgFischO, § 15). Beangeln darfst du sie nach der Gewässerordnung des Verbands vom festen Ufer, vom Steg oder vom davor liegenden Boot.
  • Abstand: Das Fischereiamt Berlin nennt das Betreten von Röhricht verboten und bittet Bootsangler, mindestens 10 Meter Abstand zu Röhricht und Seerosen zu halten (Fischereiamt Berlin).

Hinweis, Stand: Oktober 2026: Die Beispiele stammen aus Bayern, Brandenburg und Berlin. Anderswo und an einzelnen Seen können andere Regeln gelten. Lies Erlaubnisschein und Gewässerordnung, bevor du ans Wasser gehst.

Im Boot trägst du eine Schwimmweste, auch auf einem kleinen See. Was du vor dem Ablegen prüfst, steht unter Boot und Schwimmweste. Zieht ein Gewitter auf, hilft die Seite Gewitter und Wetter.

Häufige Fragen

Wie finde ich am unbekannten See die besten Angelstellen?

Eine Tiefenkarte zeigt Scharkanten und Unterwasserberge, dazu kommen Schilf, Seerosen, Krautränder und Holz. Wirf dann fächerförmig im Abstand von etwa 5 Metern und zähle die Absinkzeit, um die Tiefe zu spüren.

Wann beißen Schleien am See am besten?

Schleien beißen in der Dämmerung, morgens deutlicher. Nach Blinker kommen bis etwa neun Uhr regelmäßig Bisse, danach ist Flaute, bis es am Abend weitergeht.

Darf ich beim Angeln am See ins Schilf gehen?

Meist nicht. Röhricht ist als Biotop geschützt, und in Brandenburg verbietet die Fischereiordnung das Betreten und Befahren der bewachsenen Uferzone. Was an deinem See gilt, steht im Erlaubnisschein.

Wo stehen die Fische am See im Winter?

Brachsen ruhen in Scharen an tieferen, geschützten Stellen, Schleien liegen im Schlamm (LFV Bayern). Hechte und Barsche suchen laut IGB an versenkten Holzbündeln Schutz.

Passend dazu

Quellen

Text und Zeichnungen KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.

Wegweiser ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Alle Zahlen sind Richtwerte einzelner Quellen. Maßgeblich sind das Recht deines Bundeslandes, der Erlaubnisschein und die Gewässerordnung des Sees.