Nachtangeln

Beim Nachtangeln sitzt du von der Dämmerung bis in die Nacht am Wasser, weil Aal, Wels, Zander und Quappe dann auf Nahrungssuche gehen. Der Platz wird bei Tageslicht eingerichtet, Bisse melden Knicklicht, Glöckchen oder elektronischer Bissanzeiger. Ob du nachts angeln darfst, regeln Landesrecht und Erlaubnisschein.

Blick von oben auf einen Angelplatz für die Nacht: Zwei Ruten mit Knicklicht an der Spitze liegen auf einem Rutenhalter mit Bissanzeigern, ihre Schnüre führen zu einem Köder an der Kante und einem im Flachwasser. Hakenlöser und Kopflampe liegen neben dem Stuhl, der Kescher liegt griffbereit neben dem freien Weg zum Wasser.tiefes WasserKöder an der KanteKöder im FlachwasserKnicklichtBissanzeigerKopflampeHakenlöserfreierWegKeschergriffbereit
Abb. 1 · Angelplatz für die Nacht von oben: Ruten mit Knicklicht und Bissanzeiger, Köder an der Kante und im Flachwasser, Kescher, Lampe und Hakenlöser in Reichweite. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Welche Fische nachts fressen

Aal und Wels finden ihr Futter auch ohne Licht. Aale spüren Beute laut Lexikon der Biologie vor allem über den Geruchssinn. Der Wels hat auffallend kleine Augen (Landesfischereiverband Bayern, kurz LFV) und Barteln, die das Lexikon als geschmacksempfindlich beschreibt. Der Zander setzt auf die Augen: Blinker nennt ihn wegen einer reflektierenden Schicht im Auge einen geborenen Nachträuber. Eine solche Schicht, das Tapetum lucidum, erhöht beim Sehen in der Dunkelheit die Lichtausbeute (Lexikon der Neurowissenschaft).

ArtAktivNachts zu erwarten
Aalnachtaktiver Bodenfisch (LFV)verlässt sein Versteck, beißt oft dicht am Ufer (Blinker)
Welsdämmerungs- und nachtaktiv (LFV)zieht auf der Suche nach Futterfischen umher (Blinker)
Zandergeht nachts auf Raubzug (Blinker)zieht ins Flachwasser, bis in 50 Zentimeter Tiefe (Blinker)
Quappefrisst vor allem in Dämmerung und Nacht (LFV)vor allem in der kalten Jahreszeit, im Sommer zeitweise längere Ruhephasen (LFV)
Karpfenam aktivsten in Morgen- und Abenddämmerung (FishBase)sucht nachts die Uferzone ab, vor allem bei viel Betrieb am Tag (Blinker)
Brassesucht nachts seichte Uferbereiche ab (LFV)große Brassen über 65 Zentimeter beißen oft nachts (Blinker)

Ein Blinker-Redakteur nennt als beste Phasen die Zeit von Sonnenuntergang bis Mitternacht und die letzte Stunde vor Sonnenaufgang, dazwischen setze meist eine Beißflaute ein. Karpfen und große Brassen nähmen auch mitten in der Nacht einen Köder. Beißzeiten und Mondphase zeigt der Fangkalender. Ob du Aal und Quappe beangeln darfst, regeln Bundesland und Erlaubnisschein.

Den Platz bei Tageslicht einrichten

Komm so früh, dass die Ruten noch bei Tageslicht liegen. Wer den Platz in der Dämmerung kennt, erlebt im Dunkeln weniger Überraschungen, schreibt Blinker.

  • Richtung merken: Such dir für jede Rute einen Punkt, den du nachts noch erkennst, etwa eine Baumkrone vor dem Himmel.
  • Hindernisse merken: Kraut, Seerosen und ins Wasser gefallene Bäume siehst du nur am Tag. An fremden Gewässern rät Blinker deshalb zu etwas kräftigerem Gerät.
  • Zwei Köderplätze: Leg einen Köder an die Kante, also den Abbruch vom flachen ins tiefe Wasser, und einen ins Flache, wohin nachts Brassen und Zander ziehen. Für den Grund passt die Laufmontage mit Grundblei.
  • Griffbereit: Der Kescher liegt aufgebaut neben den Ruten, das Netz zum Wasser. Hakenlöser, Messer und Lampe haben einen festen Platz neben dem Sitz.
  • Wege frei: Taschen und Eimer stehen hinter dem Stuhl, zwischen Sitz und Wasser liegt nichts, worüber du stolperst.

Bisse im Dunkeln erkennen

Nachts siehst du weder Schnur noch Rutenspitze. Laut Blinker kombinieren Ansitzangler fast immer ein Signal zum Sehen mit einem zum Hören.

  • Knicklicht: Ein Kunststoffröhrchen, das nach dem Knicken rein chemisch leuchtet (Wikipedia). Es sitzt auf der Pose oder an der Rutenspitze. Im Stillwasser rät Blinker zu einer möglichst leichten Knicklichtpose. Helle gelbe oder grüne Lichter passen über zwei Meter Tiefe. Im Flachen bis einen Meter können sie Fische stören, dort nimmt der Blinker-Autor rote oder blaue.
  • Glöckchen: Die Aalglocke gehört ganz nach oben an die Rutenspitze, dort zeigt sie Zupfer am feinsten an (Blinker). Mit Klemme ist sie zum Drill schnell abgenommen. Bei eng stehenden Ruten helfen Glocken mit verschiedenem Klang oder je ein Knicklicht an der Spitze.
  • Elektronischer Bissanzeiger: Er sitzt auf dem Rutenhalter, piept und leuchtet beim Biss und ist laut Blinker längst nicht nur beim Karpfenangeln üblich. Ein Einhänger hält die Schnur gespannt, damit auch Fallbisse auffallen, bei denen der Fisch auf die Rute zuschwimmt.

Licht am Platz

Für die Anpassung an die Dunkelheit nennt das Lexikon der Biologie rund 30 Minuten. Danach übernehmen die Stäbchen der Netzhaut das Sehen, und bei schwachem Licht erscheinen blaugrüne Dinge heller als rote (Dämmerungssehen). Für Knoten und das Abhaken empfiehlt Blinker Rotlicht: Darauf reagiere das Auge weniger empfindlich, hell genug sei es trotzdem.

Aufs Wasser leuchtest du nicht, auch nicht im Drill, denn grelles Licht verscheucht laut Blinker die Fische. Zum Landen markieren drei Knicklichter am Kescherrand die Öffnung, zwei vorn und eines am Stiel. Das ist Erfahrung aus der Praxis, keine Messung.

Was Landesrecht und Gewässerordnung regeln

Nachtangeln ist nicht überall erlaubt. Fischereirecht ist Landesrecht, dazu kommen Erlaubnisschein und Gewässerordnung. Vier Beispiele:

  • Saarland: Die Landesfischereiordnung vom 5. Februar 2020 verbietet das Fischen bei Nacht (April bis Oktober 23 bis 5 Uhr, November bis März 19 bis 7 Uhr), an geschlossenen Gewässern erst ab fünf Hektar. Der Fischereiverband Saar kann das Verbot in begründeten Fällen aufheben (§ 10 LFO).
  • Baden-Württemberg: Das landesweite Nachtangelverbot ist seit Februar 2022 aufgehoben, am Bodensee und am Kraftwerk Rheinau gilt es weiter (Landwirtschaftsministerium, 3. Februar 2022).
  • Brandenburg: Wo mehrere Fischereirechte an derselben Strecke bestehen (Koppelfischerei), ist die Handangel nur von einer Stunde vor Sonnenaufgang bis eine Stunde nach Sonnenuntergang erlaubt (§ 7 BbgFischO, Stand 24. August 2026). Auf den Gewässern des Landesanglerverbands ist Nachtangeln erlaubt, außer an Salmonidengewässern (Gewässerordnung).
  • Bayern: Verboten ist das Fischen unter Verwendung elektrischer Lichtquellen (§ 15 AVBayFiG, Fassung ab 1. Juni 2025). Was das für Lampe und Leuchtpose heißt, klärst du mit Verein oder Fischereibehörde.

In Bayern und Brandenburg müssen ausgelegte Handangeln ständig beaufsichtigt werden (§ 16 AVBayFiG, § 7 BbgFischO). Bleib also wach und in Reichweite der Ruten. Auch Zelt und Feuer regelt das Land:

  • Zelt: In Brandenburg dürfen Zelte in der freien Landschaft nur auf Zelt- oder Campingplätzen stehen (§ 22 BbgNatSchAG). Der Landesanglerverband erlaubt einen Wetterschutz für höchstens zwei Personen, der nicht vorwiegend zum Übernachten dient und höchstens zwölf Stunden an einer Stelle steht.
  • Feuer: Im Wald und weniger als 50 Meter vom Waldrand sind in Brandenburg Feuer und Rauchen verboten (§ 23 LWaldG). In Bayern braucht offenes Feuer im Wald und bis 100 Meter davon eine Erlaubnis (Art. 17 BayWaldG).

Hinweis, Stand Oktober 2026: Die Beispiele zeigen nur die Spannweite. Maßgeblich sind die aktuelle Fassung in deinem Land, der Erlaubnisschein und die Gewässerordnung. Das Fischereiamt Berlin verweist ausdrücklich auf die Angelzeiten der Angelkarte, mehr unter Erlaubnisschein und Gewässerkarte.

Sicher durch die Nacht

Geh den Weg vom Auto zum Platz und vom Sitz zum Wasser einmal bei Licht ab. Die DLRG nennt an Seen und Teichen steil abfallende Ufer als Gefahr, an Kiesgruben können Ufer abrutschen. Sie rät, Ortskundige nach den Gefahren eines Gewässers zu fragen. Leitungen über dem Platz siehst du nur am Tag, siehe Stromleitungen und Angelruten.

Auch Sommernächte werden kalt. Nach Tagen mit über 20 °C kann die Temperatur nachts unter 10 °C fallen, schreibt Blinker, und rät dann zu Winterkleidung. Wer allein angelt, sagt jemandem, wo er sitzt und wann er zurück ist, und hat ein geladenes Telefon dabei. Mehr dazu unter Ufer und Wathose sowie Gewitter und Wetter.

Rücksicht auf Nachbarn und Natur

  • Lärm: Stell den Bissanzeiger leise. Sitzen andere in Hörweite, nimmst du die Glocke beim Einholen ab, denn bei Dauerbimmeln überhören die Nachbarn ihre eigenen Bisse, schreibt Blinker. In Brandenburg sind von 22 bis 6 Uhr Tätigkeiten verboten, die die Nachtruhe stören können (§ 10 LImschG).
  • Röhricht: Im Schilf nisten Blässralle, Teichralle, Rohrsänger und Rohrammer (Wikipedia). Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 39) verbietet, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen, und Röhricht vom 1. März bis 30. September zurückzuschneiden. Leuchte also nicht ins Schilf und schneide dir keinen Platz frei, mehr dazu bei Angeln am See.
  • Müll: Die Gewässerordnung des Landesanglerverbands Brandenburg verbietet, Abfälle oder Hilfsmittel am Ufer zurückzulassen, und verlangt, den Platz vor dem Angeln zu säubern. Ausgebrannte Knicklichter und Schnurreste nimmst du wieder mit.

Häufige Fragen

Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick

Welche Fische beißen nachts?

Vor allem Aal, Wels, Zander und Quappe, dazu Karpfen und große Brassen. Die meisten Bisse kommen laut Blinker vor Mitternacht und kurz vor Sonnenaufgang.

Ist ein elektronischer Bissanzeiger nötig?

Nein. Knicklicht und Aalglocke reichen für den Anfang. Der Bissanzeiger hilft bei langen Ansitzen, die Aufsicht über die Ruten nimmt er dir aber nicht ab.

Ist Nachtangeln in Deutschland erlaubt?

Das hängt von Land und Gewässer ab. Im Saarland ist das Fischen bei Nacht grundsätzlich verboten, in Baden-Württemberg seit 2022 an den meisten Gewässern erlaubt.

Passend dazu

Quellen

Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.

Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Ob und wann du nachts angeln darfst, entscheiden Landesrecht, Erlaubnisschein und Gewässerordnung; der Text ersetzt keine Rechtsberatung und keine ärztliche Beratung.