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Schellfisch
Der Schellfisch (Melanogrammus aeglefinus) gehört zu den Dorschartigen und ist am großen schwarzen Fleck über der Brustflosse leicht zu erkennen. Er lebt dicht über dem Grund und bleibt in der Nordsee deutlich kleiner als in der Barentssee. Angler fangen ihn vor allem in Norwegen und in der nördlichen Nordsee.
- Großer, runder schwarzer Fleck über der Brustflosse
- Schwarze, klar hervortretende Seitenlinie
- Vorstehender Oberkiefer mit kurzer Kinnbartel, drei Rückenflossen
Fangchancen im Jahresverlauf
- Kaum Chancen
- Möglich
- Gut
- Hauptsaison
- Laichzeit (Schonzeit beachten)
Redaktionelle Einschätzung für Gewässer in Deutschland, kein Messwert und keine Garantie. Laichzeit ist nicht gleich gesetzliche Schonzeit.
Steckbrief und Quellen im FangkalenderAlle Arten im MonatsvergleichRegeln deines Bundeslandes
Woran du ihn erkennst
Auf den ersten Blick sieht der Schellfisch aus wie ein kleiner Dorsch: drei Rückenflossen und eine Kinnbartel, die aber viel kleiner ausfällt. Das Maul ist verhältnismäßig klein, der Oberkiefer ragt über den Unterkiefer hinaus. Der Rücken ist dunkelgrau mit violettem Ton, Flanken und Bauch sind weißlich-silbrig.
Zwei Merkmale genügen zur Bestimmung. Die Seitenlinie ist schwarz und tritt klar hervor. Unter ihr sitzt auf jeder Körperseite der große, runde schwarze Fleck über der Brustflosse.
Die Größe hängt vom Bestand ab. FishBase gibt 35 Zentimeter als übliche Länge an, die Spitze liegt bei 112 Zentimetern und 16,8 Kilogramm bei bis zu 20 Jahren. Das norwegische Meeresforschungsinstitut nennt für den Bestand der Barentssee bis 110 Zentimeter und 14 Kilogramm, für Nordsee und Skagerrak dagegen nur etwa 60 Zentimeter und 4 Kilogramm bei bis zu 15 Jahren. In Norwegen heißt er Hyse, im Süden und Osten des Landes auch Kolje.
Vom Dorsch trennt ihn der schwarze Fleck, dazu die viel kleinere Kinnbartel. Auch das Maul ist beim Schellfisch kleiner.
Der Wittling trägt ebenfalls einen dunklen Fleck, aber nur einen kleinen, am oberen Ansatz der Brustflosse. Bei ihm ist die Kinnbartel klein oder fehlt ganz. Der Wittling bleibt kleiner, üblich sind etwa 24 Zentimeter.
Im direkten Vergleich
Wo er steht
Das Verbreitungsgebiet reicht im Nordostatlantik von der Biskaya bis in die Barentssee. Häufig ist der Fisch in der Nordsee samt Skagerrak und Kattegat, westlich der britischen Inseln, bei Island und an der norwegischen Küste. In die Ostsee verirren sich nur einzelne Tiere. Das norwegische Meeresforschungsinstitut führt für Norwegen zwei große Bestände: den nordostarktischen und den der Nordsee, des Skagerraks und westlich von Schottland.
Er hält sich dicht über dem Grund auf, meist in 10 bis 200 Metern Tiefe, nach FishBase am häufigsten in 80 bis 200 Metern, bei 4 bis 10 Grad. Der Untergrund ist Fels, Sand, Kies oder Muschelschill. In norwegischen Fjorden fängt man ihn nach Blinker auf sandigem und kiesigem Grund auch schon in 25 bis 45 Metern.
Standplätze im Bild
Wähle eine Jahreszeit: Der Fisch zeigt, wo die Art dann steht. Rot beschriftete Stellen gelten nur in der gewählten Zeit. Je mehr Fische im Bild, desto besser die Fangchance laut Fangkalender. Das Bild ist schematisch, jedes Gewässer ist anders.
An der Küste
- Sandiger Grund
- Steiniger Mischgrund
Schellfische halten sich dicht über dem Meeresboden auf, über Sand, Kies, Muschelgrund oder Fels. In den Fjorden sind es oft sandige und kiesige Flächen in Ufernähe und Buchten mit langsam abfallendem Sandgrund.
Frühjahr: Fangchance laut Fangkalender im März und April möglich, im Mai gut. In diese Zeit fällt die Laichzeit, Schonzeiten beachten. Gelaicht wird von März bis Juni in 50 bis 150 Meter Tiefe.
Sommer: Fangchance laut Fangkalender im Juni gut, im Juli und August Hauptsaison. Für Fjordnorwegen nennt die Angelpresse Sommer bis Herbst als günstige Zeit.
Herbst: Fangchance laut Fangkalender im September Hauptsaison, im Oktober gut, im November möglich.
Winter: Fangchance laut Fangkalender möglich. In den Wintermonaten ziehen die geschlechtsreifen Fische zu den Laichplätzen.
Tiefe: Der Schellfisch lebt dicht über dem Grund, meist in 10 bis 200 Meter Tiefe. In norwegischen Fjorden wird er über sandigem und kiesigem Grund schon in 25 bis 45 Metern gefangen.
Wie er frisst und laicht
Der Schellfisch sucht seine Nahrung am Boden. Er frisst Würmer, Schlangensterne, Muscheln und Krebse sowie Fischbrut und den Rogen von Hering und Lodde. Größere Tiere nehmen auch Hering, Lodde und andere kleine Fische.
Zum Laichen ziehen die Schellfische im Winter in bestimmte Gebiete, vor allem in der nördlichen Nordsee, vor Norwegen, bei Island und den Färöern. Gelaicht wird nach FishBase in 50 bis 150 Metern Tiefe. Die Eier schweben frei und steigen zur Oberfläche, die Larven sinken mit 5 bis 10 Zentimetern zum Grund. Geschlechtsreif wird ein Schellfisch nach FishBase bei rund 35 Zentimetern. Im Nordostatlantik wandern die Tiere teils weit, besonders in der Barentssee und um Island.
Beim Wasser ist er robuster als der Dorsch. In einem Laborversuch mit Tieren, die an 12 Grad gewöhnt waren, lag die kritische Höchsttemperatur bei 23,9 Grad, beim Dorsch bei 21,4 bis 23,0 Grad. Im freien Wasser meiden beide viel kühlere Bereiche, der Wert ist eine Obergrenze.
Wann er beißt
Für Fjordnorwegen nennt die Angelpresse Sommer bis Herbst als beste Zeit für Schellfisch. Im Frühjahr laichen die Fische, die Hauptlaichzeit liegt je nach Bestand zwischen März und Juni.
Wer größere Fische sucht, geht nach Norden. Der Bestand der Barentssee wird deutlich größer als der der Nordsee. Als Reisezeit für Nordnorwegen nennt Blinker Mai bis September.
Die Monatsübersicht aller Arten und den Wassertemperatur-Check findest du im Fangkalender.
Womit du ihn fängst
Am zuverlässigsten ist leichtes bis mittleres Naturköderangeln vom Boot: ein Vorfach mit Fetzen von Hering oder Makrele, dicht am Grund angeboten. Die Grundlagen zeigt die Naturködermontage, die Köder die Seite zu Fischfetzen. Als Gerät nennt Blinker eine Bootsrute von 8 bis 15 lbs, eine mittlere Multirolle mit 20 Kilogramm tragendem Geflecht und Bleie von 80 bis 300 Gramm.
Die Köder fängst du dir am besten vor Ort selbst: Makrele und Hering sind frisch gefangen die besten Fetzenköder.
Schellfische nehmen auch Pilker und Gummifische. Blinker nennt Speedpilken und aktives Jiggen im Mittelwasser, wo sich Heringsschwärme sammeln. Wähle Haken und Köder nicht zu groß, denn das Maul ist klein. Mehr zur Technik bei Pilken.
Aus größerer Tiefe heraufgeholte Fische überstehen das Zurücksetzen nicht. Nach Blinker ist jeder Fisch, der aus 50 bis 200 Metern heraufgekurbelt wird, durch den Druckabfall erledigt. Plane nur so viel ein, wie du verwerten kannst.
Sand und Kies statt Fels: Suche sandige oder kiesige Flächen. Dort beißen nach Blinker auch Wittling, Plattfische und Knurrhahn.
Frische Köder vor Ort fangen: Fetzen von Makrele oder Hering fängst du dir am besten selbst. Halte sie kühl und schneide sie erst kurz vor dem Einsatz zurecht.
Köder klein halten: Das Maul ist klein, große Brocken lassen die Fische oft nur zupfen. Ein schlanker Fetzen am passenden Haken fängt zuverlässiger.
Passende Köder
Fetzen von Hering oder Makrele am Paternoster dicht über Grund; auch Pilker und Gummifisch.
Montagen zu diesen Ködern: Naturködermontage fürs Meer.
Wie der Schellfisch schmeckt und was du beim Verwerten beachtest
Der Schellfisch hat helles, zartes Fleisch, das sich zum Dünsten und Braten eignet. In Deutschland ist er der klassische Kochfisch. Im Handel kommt er frisch, als Filet, tiefgefroren, geräuchert, mariniert oder getrocknet vor. Besonders begehrt ist geangelter Schellfisch, weil sein Fleisch nicht in Netzen zerdrückt wurde. Wie du ihn zerlegst, zeigen Fisch ausnehmen und Fisch filetieren, zum Räuchern hilft Fisch räuchern.
Als Dorschartiger kann der Schellfisch Rundwurmlarven im Fleisch tragen. Das niedersächsische Lebensmittelinstitut LAVES durchleuchtet hellfleischige Dorschartige deshalb im Labor. Nach seinen Angaben werden die Larven durch Gefrieren oder Hitze abgetötet, und ausreichend durchgegarter Fisch ist unbedenklich. Mehr dazu unter Parasiten im Fisch. Das ersetzt keine ärztliche Beratung.
Was du beachten musst
Schonzeiten, Mindestmaße und Entnahmefenster legen die Bundesländer sowie die Fischereibehörden der Anrainerstaaten (Dänemark, Norwegen, Polen) fest. Sie variieren je nach Gewässertyp, Küstenabschnitt und Jahreszeit. Deshalb nennen wir keine starren Zahlen: Verbindlich sind stets die Fischereiverordnung deines Bundeslandes und dein Erlaubnisschein. Eine Linkliste der amtlichen Quellen findest du im Fangkalender.
Für maßige Fische, die entnommen werden dürfen, gilt die Pflicht zur sofortigen, tierschutzgerechten Betäubung und Tötung. Geschonte, untermaßige oder im Rahmen eines Entnahmefensters zu große Exemplare müssen mit nassen Händen äußerst schonend direkt im Wasser gelöst und zurückgesetzt werden.
Für Angelgäste in Norwegen gelten Regeln zu Mindestmaßen und zur Ausfuhr, die sich ändern. Maßgeblich ist das Fiskeridirektoratet.
Beim Schutzstatus hängt das Bild vom Maßstab ab. Nach dem Thünen-Institut gilt der Schellfisch in Europa als ungefährdet, weltweit führt ihn die IUCN dagegen als gefährdet. Diese weltweite Einstufung stammt von 1996 und braucht laut Thünen-Institut eine Aktualisierung. In der norwegischen Roten Liste steht er als nicht gefährdet.
Häufige Fragen (FAQ)
Woran erkenne ich einen Schellfisch im Vergleich zum Dorsch?
Am schwarzen Fleck über der Brustflosse, der schwarzen Seitenlinie und der viel kleineren Kinnbartel. Auch das Maul ist beim Schellfisch kleiner.
Wie groß wird ein Schellfisch?
In Nordsee und Skagerrak bleibt er bei etwa 60 Zentimetern. In der Barentssee werden bis zu 110 Zentimeter erreicht. Als übliche Länge nennt FishBase 35 Zentimeter.
Gibt es Schellfisch in der Ostsee?
Nur vereinzelt. Der Fisch ist dort kein Zielfisch. Gezielt angelst du ihn in der Nordsee oder vor Norwegen.
Quellen
Die Einstufung der Fangchancen ist eine redaktionelle Einschätzung. Die Fakten stammen aus diesen Quellen, der Text ist in eigenen Worten formuliert. Die Illustration ist ein eigener Entwurf im Stil einer Naturkundetafel von AngelMomente (KI-unterstützt erstellt, siehe KI-Hinweis).
- Wikipedia: Schellfisch
- Havforskningsinstituttet: Hyse (Schellfisch)
- FishBase: Melanogrammus aeglefinus
- Thünen-Institut, Fischbestände online: Schellfisch
- Blinker: Norwegen, Angeln im Fjord (Saison, Naturköderangeln)
- Norin et al. 2019, PeerJ: Thermal biology of Atlantic cod and haddock (CTmax)
- Fiskeridirektoratet: Sea angling in Norway, regulations (geschonte Arten, Ausfuhrquote)
- Blinker: Barotrauma bei Fischen
- Store norske leksikon: Hyse (Schellfisch)
- FishBase: Merlangius merlangus (Wittling)
- LAVES Niedersachsen: Parasiten in Fischen und Fischereierzeugnissen
KI-unterstützt aus den genannten Quellen erstellt. Zahlen stehen nur im Text, wenn eine Quelle sie nennt. Zuletzt geprüft: 6. Oktober 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wer hinter der Seite steht: Über mich.
Weiter im Lexikon
- Alle Fischarten im Überblick
- Fangkalender – Monat, Wassertemperatur und Steckbrief für 92 Arten
- Schnur-Rechner – Tragkraft nach dem Knoten, Bremsen-Richtwert, Backing
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