Wissen · Fischkunde
Körperbau und Flossen der Fische
Der Körperbau eines Fisches verrät, wie er lebt: Die Form zeigt, ob er in der Strömung steht, sich durchs Kraut schiebt oder am Grund liegt. An den Flossen erkennst du ganze Familien. Hier steht, wie die Teile heißen, wozu sie dienen und was Schleimhaut, Kiemen und Schwimmblase für den Umgang mit dem Fang bedeuten.
Fünf Körperformen und was sie verraten

Wie ein Fisch gebaut ist, hängt davon ab, wo er lebt und wie er an sein Futter kommt. Lehrunterlagen zur Fischerprüfung unterscheiden deshalb wenige Grundformen (Aufbau und Funktion des Fischkörpers).
| Form | Beispiele | Lebensweise |
|---|---|---|
| spindelförmig | Bachforelle, Lachs, Zander | guter Schwimmer in Strömung und Freiwasser |
| hochrückig | Brachse, Güster, Karausche | ruhiges Wasser mit vielen Pflanzen |
| pfeilförmig | Hecht | lauert und stößt schnell zu |
| schlangenförmig | Aal | lebt am Grund, schwimmt weite Strecken |
| platt | Scholle, Flunder | liegt getarnt am Grund |
Die Spindelform, auch Torpedoform genannt, setzt dem Wasser wenig Widerstand entgegen. Nach dem bayerischen Prüfungskatalog haben Fische, die in starker Strömung leben, in der Regel diese Form (Landesanstalt für Landwirtschaft).
Hochrückige Fische sind seitlich flach. Der schmale Körper passt durch dichte Pflanzenbestände, und ab einer gewissen Größe bekommt ein Raubfisch sie nicht mehr zu fassen.
Beim Hecht sitzt die Rückenflosse ganz hinten, kurz vor dem Schwanz. Mit After- und Schwanzflosse zusammen ergibt das laut Landesfischereiverband Bayern eine große Fläche, die beim Antritt Schub liefert. So kann er aus dem Stand zustoßen: Er wartet zwischen den Pflanzen, bis Beute vorbeischwimmt. In den Quellen heißt seine Gestalt auch torpedo- oder walzenförmig.
Der Aal kommt mit seinem langen, runden Körper ohne viel Kraft über große Entfernungen. Plattfische sind seitlich abgeplattet und liegen auf einer Körperseite, der Blindseite. Beide Augen sitzen auf der Oberseite (Lexikon der Biologie: Plattfische). Wels und Mühlkoppe sind keilförmig: breites Maul, Leben am Boden, Jagd aus der Lauer.
Im Werkzeug Fisch bestimmen ist die Körperform die zweite Frage. Spindel- und pfeilförmige Arten heißen dort „gestreckt“.
Flossen: Namen und Aufgaben
Fische haben paarige und unpaarige Flossen. Paarig sind die Brustflossen hinter dem Kiemendeckel und die Bauchflossen. Sie entsprechen den Gliedmaßen der Landwirbeltiere (Kompaktlexikon der Biologie: Flossen) und dienen vor allem der Steuerung. Unpaarig sind Rücken-, After- und Schwanzflosse. Den Vortrieb liefern Schwanz und Schwanzflosse, Rücken- und Afterflosse halten den Körper stabil.
Für die Bestimmung lohnt der Blick auf drei Dinge.
- Zahl der Rückenflossen: eine bei Hecht und Brachse, zwei bei Flussbarsch und Zander, drei beim Dorsch (Wikipedia: Atlantischer Kabeljau).
- Stellung der Bauchflossen: bauchständig hinter den Brustflossen wie beim Aland, brustständig weit vorn wie beim Flussbarsch, kehlständig vor den Brustflossen wie bei der Quappe.
- Flossensaum: Beim Aal sind Rücken-, Schwanz- und Afterflosse zu einem Saum verbunden, Bauchflossen hat er nicht.
Die Fettflosse
Zwischen Rücken- und Schwanzflosse sitzt bei manchen Arten eine kleine, fleischige Flosse ohne Strahlen, die Fettflosse (Lexikon der Biologie: Fettflosse). Typisch ist sie für die Lachsfische: Forellen, Lachs, Saiblinge, Huchen, Äsche und Renke. Auch der Zwergwels trägt eine, der große Wels nicht.
Hart- und Weichstrahlen
Bis auf die Fettflosse werden alle Flossen von Strahlen gestützt. Hartstrahlen, auch Stachelstrahlen genannt, sind ungegliedert und stehen in einer Flosse immer vor den Weichstrahlen, die auch Gliederstrahlen heißen (Wikipedia: Flosse). Beim Flussbarsch trägt die erste Rückenflosse nur Stachelstrahlen, die zweite fast nur Weichstrahlen. Bei der Barbe ist der längste Strahl der Rückenflosse hart und hinten gesägt.
Der bayerische Katalog warnt bei Arten mit Stachelstrahlen in der Rückenflosse vor schlecht heilenden Verletzungen. Flussbarsch und Zander tragen außerdem einen Dorn am Kiemendeckel.
Haut, Schuppen und Schleim
Schuppen sind dünne Knochenplättchen in der Lederhaut, der unteren Hautschicht. Sie überdecken sich wie Dachziegel, und über ihrem freien Ende liegt die dünne Oberhaut (Lexikon der Biologie: Schuppen). Was du anfasst, ist also nie die blanke Schuppe. Es ist lebende Haut mit einer Schleimschicht darüber.
Karpfenfische, Lachsfische und der Hecht tragen glattrandige Rundschuppen. Flussbarsch und Zander haben Kammschuppen mit gezähntem Hinterrand und fühlen sich deshalb rau an. Der Wels hat keine Schuppen. Bei Aal und Schleie sitzen sehr kleine Schuppen unter einer dicken Schleimschicht. Schuppen wachsen mit dem Fisch und bilden dabei Ringe, an denen sich das Alter ablesen lässt. Verliert er Schuppen, bildet er neue.
Den Schleim bilden Drüsenzellen der Oberhaut. Er senkt den Reibungswiderstand beim Schwimmen und schützt vor äußeren Einflüssen und Krankheitserregern.
Nasse Hände: Das Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern rät, Fische grundsätzlich nur mit nassen Händen anzufassen, um Schleimhautverletzungen zu vermeiden (Hinweise zur Einhaltung des Tierschutzes). Der bayerische Prüfungskatalog begründet es genauso: Die Haut des Fisches soll nicht beschädigt werden. Mechanische Verletzungen nennt er mögliche Eintrittspforten für Pilze, Bakterien und Viren. Die Handgriffe dazu stehen unter Fisch landen und abhaken.
Kiemen und Kiemendeckel
Fische atmen mit Kiemen. Der Fisch saugt Wasser durch das Maul ein, schließt es und drückt das Wasser über die Kiemen hinaus. An den dünnhäutigen Kiemenblättchen nimmt das Blut Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab. Wasser und Blut fließen dabei in Gegenrichtung, so wird der Sauerstoff besser ausgenutzt (Kompaktlexikon der Biologie: Kiemen). Braucht der Fisch mehr Sauerstoff, schlagen die Kiemendeckel schneller.
Der Kiemendeckel ist eine Knochenplatte, die den Kiemenraum umschließt. Darunter tragen laut dem Schwedter Lehrmaterial vier Paar Kiemenbögen die Blättchen. An der Innenseite der Bögen sitzen die Reusendornen, je nach Art ein feiner Filter oder grobe Dornen. Die Kiemen sind besonders gut durchblutet. Wer hineingreift, kann den Fisch und sich selbst verletzen. Der bayerische Katalog nennt diese Gefahr beim Hecht, den man zum Landen mit der Hand hinter dem Kopf fasst. Halte einen Fisch, der zurück soll, deshalb nicht an den Kiemen.
Bei der Entnahme folgt auf die Betäubung der Herzstich oder der Kiemenschnitt. Den Ablauf beschreibt Fisch betäuben und töten.
Schwimmblase und Druck aus der Tiefe
Die Schwimmblase ist ein gasgefüllter Sack zwischen Darm und Wirbelsäule. Mit ihr stellt der Fisch seinen Auftrieb ein und schwebt, ohne dafür schwimmen zu müssen. Vielen Bodenfischen fehlt sie, etwa den Plattfischen und der Mühlkoppe. Auch die Makrele hat keine, obwohl sie ständig schwimmt (Lexikon der Biologie: Fische).
Es gibt zwei Bauarten. Bei Karpfenfischen, Lachsfischen, Hecht, Wels und Aal bleibt die Blase durch einen Gang mit dem Vorderdarm verbunden, über ihn können sie Gas ablassen. Bei Barschartigen und Dorschfischen, zu denen die Quappe gehört, bildet sich der Gang nach der Larvenzeit zurück. Sie bauen überschüssiges Gas über das Blut ab, und das braucht Zeit.
Holst du einen Fisch schnell aus großer Tiefe, sinkt der Außendruck und das Gas dehnt sich aus. Reicht die Zeit zum Ausgleich nicht, drückt die Schwimmblase den Vorderdarm aus dem Maul. Das heißt Trommelsucht oder Barotrauma (Lexikon der Biologie: Schwimmblase). Beim Zander kann die Blase laut dem Schwedter Lehrmaterial auftreiben oder reißen.
Für die Praxis nennt die Zeitschrift Blinker Richtwerte: Werden Barsch und Zander aus mehr als 10 Metern schnell hochgekurbelt, zeigen sie Druckschäden. Blinker rät deshalb, auf diese Arten nicht tiefer als 10 Meter zu angeln und im Drill Pausen einzulegen. Aus etwa 6 bis 9 Metern bereite sofortiges Zurücksetzen meist kaum Probleme (Blinker: Barotrauma bei Fischen). Was mit einem untermaßigen, sichtbar geschädigten Fisch zu geschehen hat, regelt dein Bundesland. Den Einstieg gibt Schonzeit und Mindestmaß erklärt.
Seitenlinie
Die Seitenlinie zieht sich als Reihe feiner Poren über die Flanke, die Schuppen sind dort durchbohrt. Darunter liegt ein Kanal mit Sinneszellen. Sie melden Druckschwankungen, Strömungen und die Bewegungen von Beutetieren. Mehr dazu steht auf der Seite Sinne der Fische. Für die Bestimmung zählt man die Schuppen entlang der Seitenlinie: Beim Döbel sind es 44 bis 46, beim Aland 55 bis 60 (Sächsische Fischereibehörde).
Häufige Fragen
Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick
Welche Fische haben eine Fettflosse?
Vor allem die Lachsfische, also Forellen, Lachs, Saiblinge, Huchen, Äsche und Renken, dazu der Zwergwels. Karpfenfische, Barsche, Hecht und der große Wels haben keine.
Haben alle Fische Schuppen?
Nein. Der Wels ist schuppenlos. Aal und Schleie haben Schuppen, sie sind aber sehr klein und von einer dicken Schleimschicht bedeckt.
Was ist Trommelsucht?
Wird ein Fisch schnell aus großer Tiefe geholt, dehnt sich das Gas in der Schwimmblase aus und drückt sie oder den Vorderdarm aus dem Maul. Anfällig sind vor allem Arten ohne Schwimmblasengang wie Flussbarsch und Zander.
Passend dazu
- Fisch bestimmen: fragt Körperform, Rückenflossen, Barteln und Maulstellung ab.
- Arten-Trainer: Fischarten am Bild erkennen üben.
- Fische: alle Porträts mit Erkennungsmerkmalen.
- Fisch zurücksetzen: wann es Pflicht ist und wie es schonend geht.
- Fisch ausnehmen: Bauchschnitt, Kiemen und Niere entfernen.
- Wassertemperatur und Sauerstoff: warum warmes Wasser weniger Sauerstoff bietet.
- Hakenverletzung und Erste Hilfe: Haken in der Haut, Arzt und Tetanus-Schutz.
- Fischfamilien erkennen: welche Flossen welche Familie verraten.
- Alter und Wachstum der Fische: Jahresringe auf den Schuppen lesen.
Quellen
- Kreisanglerverband Schwedt: Aufbau und Funktion des Fischkörpers (Lehrmaterial: Körperformen, Flossen, Haut, Kiemen, Schwimmblase, Seitenlinie).
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Staatliche Fischerprüfung in Bayern, Prüfungsfragen (Flossen, Schuppen, Schleimschicht, Schwimmblase, Trommelsucht, nasse Hände).
- Landesfischereiverband Bayern: Fischlexikon (Merkmale der einzelnen Arten).
- Spektrum, Lexikon der Biologie: Fische, Flossen, Fettflosse, Schuppen, Schwimmblase, Plattfische; Kompaktlexikon der Biologie: Flossen, Kiemen (Bau und Aufgabe der Organe).
- Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern: Angeln in MV, Hinweise zur Einhaltung des Tierschutzes (nasse Hände, Herzstich und Kiemenschnitt).
- Sächsische Fischereibehörde: Artenkunde, verwechselbare Fischarten (Schuppenzahl an der Seitenlinie).
- Blinker: Barotrauma bei Fischen (Richtwerte zur Angeltiefe).
- Wikipedia: Flosse, Atlantischer Kabeljau (Flossenstrahlen, Rückenflossen der Dorsche).
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Sie ersetzen keine ärztliche Beratung, und was für Schonzeit, Mindestmaß und Zurücksetzen gilt, regeln dein Bundesland und der Erlaubnisschein.