Heimische Fischfamilien lassen sich an wenigen Merkmalen unterscheiden: an Zahl und Bau der Rückenflossen, an der Fettflosse, an Barteln und Schuppen. Damit ordnest du auch einen Fisch, dessen Art du nicht kennst, der richtigen Gruppe zu. Die Seite geht Karpfenfische, Barsche und Lachsfische durch, dann Hecht, Wels, Aal und Quappe und zuletzt drei Gruppen aus dem Meer.
Drei Blicke auf den Fisch
Für die Familie reichen drei Blicke, am besten in dieser Reihenfolge.
- Rücken: Zähle die Rückenflossen und sieh nach, wo sie sitzen. Ein kleiner, fleischiger Lappen ohne Strahlen zwischen Rückenflosse und Schwanz ist eine Fettflosse (Spektrum, Lexikon der Biologie).
- Flossenstrahlen: Stachelstrahlen sind hart und spitz, Weichstrahlen biegsam. Sieh dir den vorderen Teil der Rückenflosse an, dort tragen Barsche ihre Stacheln.
- Maul: Barteln sind Bartfäden an Lippen, Mundwinkeln oder Kinn, mit denen der Fisch schmeckt. Zahl und Sitz unterscheiden sich von Familie zu Familie.
Die Färbung hilft bei der Familie kaum. Allein bei der Bachforelle gibt es laut Landesfischereiverband Bayern je nach Standort viele Farbvarianten. Mehr zu den Körperteilen steht unter Körperbau und Flossen und Maulstellung.
Karpfenfische: eine Rückenflosse, Zähne erst im Schlund
Karpfenfische haben nur eine Rückenflosse und keine Fettflosse. Die Flossen sind meist stachellos, die Schuppen rund und glattrandig, viele Arten tragen Barteln (Lexikon der Biologie: Weißfische). Der Fragenkatalog zur Fischerprüfung in Sachsen-Anhalt nennt sie die artenreichste einheimische Fischfamilie.
Die Kiefer sind zahnlos, das Maul lässt sich meist vorstülpen. Zerkleinert wird die Nahrung erst im Schlund, von kräftigen Schlundzähnen auf sichelförmigen Schlundknochen (Lexikon der Biologie: Karpfenfische). Am lebenden Fisch siehst du sie nicht. Nach ihrer Zahl und Stellung bestimmen Fachleute die Arten (Fragenkatalog).
Am Wasser helfen die Barteln weiter. Laut Fragenkatalog tragen Karpfen und Barbe vier, Schleie und Gründling zwei. Nase und Karausche haben keine. Ein einzelner harter Strahl macht noch keine Stachelflosse: Die Barbe trägt in ihrer Rückenflosse einen harten, hinten gesägten Strahl (LFV Bayern) und hat trotzdem nur diese eine.
Karpfenfisch heißt nicht Friedfisch. Ausgewachsene Rapfen und Döbel leben räuberisch.
In Lehrunterlagen heißt die ganze Gruppe Karpfenfische oder Cypriniden. Die neuere Systematik teilt sie auf: Die Datenbank FishBase führt den Karpfen weiter unter Cyprinidae, Rotauge, Brasse und Döbel unter Leuciscidae und die Schleie in einer eigenen Familie Tincidae. Am Wasser ändert das nichts, die Merkmale gelten für alle.
Barsche: zwei Rückenflossen, vorn Stacheln
Echte Barsche tragen zwei Rückenflossen. Die vordere wird von spitzen Stachelstrahlen gestützt, die hintere ist weichstrahlig. Beim Flussbarsch stehen beide deutlich getrennt, beim Zander liegt ein kurzer Abstand dazwischen (LFV Bayern). Bei anderen Arten der Familie sind sie schmal verbunden (FishBase).
Der Körper trägt Kammschuppen. Ihr hinterer Rand ist mit kleinen Zähnen besetzt (Lexikon der Biologie: Ctenoidschuppen). Deshalb fühlt sich ein Barsch rau an, wenn du von hinten nach vorn über die Flanke streichst (FishBase-Glossar). Karpfen-, Lachs- und Heringsfische haben dagegen glattrandige Rundschuppen (Kompaktlexikon der Biologie: Schuppen). Dazu kommt ein Dorn am Ende des Kiemendeckels, beim Flussbarsch kräftig, beim Zander kurz.
Lachsfische: die Fettflosse
Lachsfische erkennst du an der Fettflosse. Sie sitzt zwischen Rücken- und Schwanzflosse, ist klein und immer strahlenlos (Kompaktlexikon der Biologie: Salmoniformes, Fragenkatalog Sachsen-Anhalt). Der Körper ist meist spindelförmig, die Schuppen sind klein (Lexikon der Biologie: Lachsähnliche). Stachelstrahlen fehlen.
Zur Familie gehören Bachforelle, Seeforelle und Meerforelle, Regenbogenforelle, Bachsaibling und Seesaibling, Lachs und Huchen. Auch Äsche und Maräne tragen die Fettflosse. Die Äsche fällt zusätzlich durch ihre hohe, breite Rückenflosse auf, die Fahne. Maränen sehen einem Hering ähnlich, ihre kleine Fettflosse verrät sie (LFV Bayern).
Bei Äsche und Maräne gehen die Quellen auseinander. FishBase führt beide als Unterfamilien der Salmonidae. Der LFV Bayern stellt die Äsche zu den Forellenfischen und die Renke in eine eigene Familie Coregonidae, das Kompaktlexikon trennt beide ab. Am Wasser zählt die Fettflosse, und die haben alle.
Ganz allein reicht sie nicht. Auch der Zwergwels hat eine Fettflosse, dazu aber acht Barteln (Fragenkatalog Sachsen-Anhalt). Und in Küstengewässern leben die Stinte, die ebenfalls eine tragen.
Hecht, Wels, Aal und Quappe
Im Fischlexikon des LFV Bayern steht jede dieser vier Arten allein in ihrer Familie. Ihre Kennzeichen:
- Hecht: Rücken- und Afterflosse sitzen weit hinten, das Maul ist flach wie ein Entenschnabel. Harte Flossenstrahlen und eine Fettflosse hat er nicht (Lexikon der Biologie: Hechtartige).
- Wels: schuppenloser Körper, breiter, abgeplatteter Kopf und sechs Barteln, zwei lange am Oberkiefer und vier kürzere am Unterkiefer. Die Rückenflosse ist sehr klein, die Afterflosse reicht bis zur Schwanzflosse. Eine Fettflosse fehlt ihm, anders als den Zwergwelsen.
- Aal: schlangenförmiger Körper. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse bilden einen durchgehenden Saum, die Bauchflossen fehlen.
- Quappe: ein einzelner Bartfaden am Kinn, zwei getrennte Rückenflossen und kehlständige Bauchflossen, die also vorn an der Kehle sitzen. Der LFV Bayern führt sie als einzigen Vertreter der Dorschfamilie im Süßwasser. FishBase stellt sie mit Leng und Lumb in die Familie Lotidae.
Am Meer: Dorschartige, Plattfische, Heringe
- Dorschartige: eine Ordnung mit mehreren Familien. Gemeinsam sind ihnen weiche Flossenstrahlen, kehlständige Bauchflossen und oft ein Bartfaden am Kinn (Lexikon der Biologie: Dorschfische). Für die Familie der Dorsche nennt FishBase drei Rückenflossen und zwei Afterflossen. Dazu gehören Dorsch, Schellfisch, Wittling, Köhler und Pollack. Beim Dorsch ist der Bartfaden kräftig (Thünen-Institut). Die Familie von Leng und Lumb hat laut FishBase eine bis drei Rückenflossen, eine Afterflosse und immer einen Kinnfaden. Der Seehecht hat zwei Rückenflossen und keinen Bartfaden (Thünen-Institut).
- Plattfische: ebenfalls eine Ordnung. Beide Augen liegen auf einer Körperseite, mit der anderen, der Blindseite, liegt der Fisch auf dem Grund (Lexikon der Biologie: Plattfische). Die Larve der Scholle schwimmt noch aufrecht. Bei etwa 10 Millimetern Länge beginnt das linke Auge auf die rechte Seite zu wandern (Thünen-Institut). Bei der Flunder kommen rechts- und linksäugige Tiere vor.
- Heringe: nur eine Rückenflosse in der Körpermitte, ausschließlich weiche Flossenstrahlen und silbrige Rundschuppen, die leicht abfallen (Lexikon der Biologie: Heringsfische). Dem Hering fehlt außerdem die Seitenlinie.
Alle Gruppen nebeneinander
| Gruppe | Kennzeichen | Beispiele |
|---|---|---|
| Karpfenfische | eine Rückenflosse, keine Fettflosse, Maul ohne Zähne | Karpfen, Schleie, Rotauge, Brasse |
| Barsche | zwei Rückenflossen, vorn Stachelstrahlen, Kammschuppen | Flussbarsch, Zander |
| Lachsfische | Fettflosse hinter der Rückenflosse | Forellen, Saiblinge, Lachs, Äsche, Maräne |
| Hechte | Rückenflosse weit hinten, flaches Maul | Hecht |
| Welse | keine Schuppen, sechs Barteln | Wels |
| Aale | Flossensaum, keine Bauchflossen | Aal |
| Dorschartige | weiche Strahlen, Bauchflossen an der Kehle, oft Kinnfaden | Dorsch, Köhler, Leng, Quappe |
| Plattfische | beide Augen auf einer Seite | Scholle, Flunder |
| Heringe | eine Rückenflosse, keine Seitenlinie | Hering |
Von der Familie zur Art führt die Fischbestimmung: Sie fragt nach Gewässer, Körperform, Rücken, Barteln, Maul und Zeichnung. Mit dem Arten-Trainer übst du das Erkennen an Bildern.
Hinweis: Ob du einen Fisch mitnehmen darfst, hängt an der Art, nicht an der Familie. Schonzeiten und Mindestmaße regelt dein Bundesland, zusätzliche Vorgaben stehen im Erlaubnisschein. Den Weg zu den amtlichen Quellen zeigt die Seite Schonzeit und Mindestmaß erklärt.
Häufige Fragen
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Ist der Zander ein Hecht oder ein Barsch?
Ein Barsch. Er hat zwei Rückenflossen, die vordere mit spitzen Stachelstrahlen, und kleine Kammschuppen. Dem Hecht fehlen harte Flossenstrahlen, und seine einzige Rückenflosse sitzt weit hinten.
Gehören Rotbarsch, Seelachs und Meeräsche zu Barsch, Lachs und Äsche?
Nein, zu diesen Familien gehören sie nicht. Als Seelachs wird meist der Köhler bezeichnet, er gehört wie der Seehecht zu den Dorschartigen (Thünen-Institut). FishBase führt den Rotbarsch in der Familie Sebastidae, die Meeräsche bei den Mugilidae und den Hornhecht bei den Belonidae.
Wie erkennt man einen Karpfenfisch ohne Barteln?
An der Summe der Merkmale: nur eine Rückenflosse, keine Fettflosse, ein Maul ohne Zähne, glattrandige Rundschuppen. Barteln trägt nur ein Teil der Familie. Eine zweite Rückenflosse, eine Fettflosse oder Zähne in den Kiefern sprechen für eine andere Familie.
Was ist mit Arten, die in keine dieser Gruppen passen?
Makrele, Hornhecht, Petermännchen, Seeteufel und Stör gehören zu Familien, die hier fehlen. Ihre Merkmale stehen in den Porträts unter Fische.
Passend dazu
- Fisch bestimmen: von den Merkmalen in höchstens sechs Fragen zur Art
- Arten-Trainer: Bild ohne Namen, vier Arten zur Wahl
- Fische: 57 Porträts mit Erkennungsmerkmalen und Verwechslungsarten
- Schonzeit und Mindestmaß erklärt: wo steht, was für eine Art gilt
- Fangkalender: Laichzeiten und Fangchancen je Art
- Körperbau und Flossen: Flossen, Strahlen und Schuppen im Einzelnen
- Maulstellung: ober-, end- oder unterständig und was das verrät
Quellen
- Spektrum Akademischer Verlag, Lexikon der Biologie: Weißfische, Karpfenfische, Fettflosse, Lachsähnliche, Hechtartige, Ctenoidschuppen, Dorschfische, Plattfische, Heringsfische (Kennzeichen der Gruppen)
- Spektrum Akademischer Verlag, Kompaktlexikon der Biologie: Salmoniformes, Schuppen (Fettflosse, Äschen, Renken, Stinte, Schuppentypen)
- Landesfischereiverband Bayern: Fischlexikon (Kennzeichen und Familien der Süßwasserarten)
- Ministerium für Wirtschaft, Tourismus, Landwirtschaft und Forsten des Landes Sachsen-Anhalt: Fragenkatalog zur Fischerprüfung (Fettflosse, Barteln, Schlundzähne, Seitenlinie)
- FishBase, Familien Cyprinidae, Leuciscidae, Tincidae, Percidae, Salmonidae, Gadidae und Lotidae, Arten Sebastes norvegicus, Chelon labrosus und Belone belone, Glossar: ctenoid scales (heutige Zuordnung der Arten, Flossenzahlen)
- Thünen-Institut für Ostseefischerei, Fischbestände Online: Kabeljau und Dorsch, Seelachs, Seehecht, Scholle (Bartfaden, Dorschartige, Augenwanderung)
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Einzelne Fische, Kreuzungen und Zuchtformen können von den beschriebenen Merkmalen abweichen; welche Regeln für eine Art gelten, bestimmt das Recht deines Bundeslandes.
