Maulstellung: oberständig, endständig, unterständig

Die Maulstellung sagt, welcher Kiefer eines Fisches weiter vorn steht: Das Maul ist oberständig, endständig oder unterständig. Daran lässt sich ablesen, in welcher Wasserschicht eine Art meist frisst, und ähnliche Arten wie Rotauge und Rotfeder lassen sich so trennen. Hier stehen die drei Formen mit heimischen Beispielen, dazu Rüsselmaul, Barteln und Zähne und die Folgen für die Köderhöhe.

Schnitt durch ein Gewässer mit drei Fischköpfen von der Seite: oben die Rotfeder mit oberständigem Maul unter einem Insekt an der Wasseroberfläche, in der Mitte das Rotauge mit endständigem Maul vor Kleintieren im Freiwasser, unten die Barbe mit unterständigem Maul und Barteln über einem Wurm am Grund.OberflächeoberständigRotfederendständigRotaugeFreiwasserunterständigBarbeGrund
Abb. 1 · Drei Maulstellungen und die Wasserschicht, in der die Nahrung meist liegt: Rotfeder oberständig, Rotauge endständig, Barbe unterständig. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Die drei Stellungen am Fischkopf

Schau von der Seite auf den Kopf. Entscheidend ist, welcher Kiefer vorsteht, auch ein leichter Überstand zählt.

  • Oberständig: Der Unterkiefer ist länger als der Oberkiefer, die Maulspalte zeigt schräg nach oben. So ist es bei Rotfeder und Ukelei, unter den Räubern bei Rapfen und Hecht.
  • Endständig: Beide Kiefer sind gleich lang, die Öffnung zeigt geradeaus. Beispiele sind Rotauge, Döbel, Schleie und Zander.
  • Unterständig: Der Unterkiefer ist kürzer, die Schnauze steht vor und das Maul öffnet sich nach unten. Das gilt für Barbe, Nase und Gründling, in leichter Form für die Brachse.

Die Beschreibungen folgen einem Arbeitsblatt des Deutschen Angelfischerverbands und den Prüfungsfragen der staatlichen Fischerprüfung in Bayern. Welche Art welches Maul hat, steht dort und im Fischlexikon des Landesfischereiverbands Bayern (LFV Bayern).

Zwischen den Formen gibt es Übergänge, und die Quellen ziehen die Grenze nicht immer gleich. Den Rapfen nennt das Fischlexikon leicht oberständig, die Prüfungsfragen nennen ihn oberständig. Die Brachse ist beim LFV Bayern leicht unterständig, in der Zeitschrift Blinker stark unterständig. Das Maul des Alands ist endständig und leicht nach oben gerichtet. Im Werkzeug Fisch bestimmen gelten bei solchen Zwischenformen deshalb zwei Antworten.

Was die Stellung über die Nahrungssuche verrät

Ein oberständiges Maul findet sich bei Arten, die an der Oberfläche Beute machen (Wikipedia: Fischmaul). Die Rotfeder steht im Sommer dicht unter der Wasseroberfläche und wartet auf Insekten, die ins Wasser fallen (Infotafel des Fischereiverbands Mittelfranken). Solche Beute heißt Anflugnahrung. Auch der Ukelei lauert laut LFV Bayern dicht unter der Oberfläche auf Insekten. Der Rapfen gilt als Oberflächenräuber: Nach der Laichzeit ist er meist in den oberen Wasserschichten anzutreffen (Blinker).

Das endständige Maul ist nach Wikipedia bei Fischen der mittleren Wasserschicht häufig. Das Rotauge hält sich in stehenden Gewässern gern im Mittelwasser auf, schreibt Blinker.

Fische mit unterständigem Maul nehmen ihre Nahrung hauptsächlich in der Bodenzone auf, heißt es in den bayerischen Prüfungsfragen. Die Barbe ist ein Grundfisch und frisst kleine Bodentiere wie Würmer, Insektenlarven, Schnecken und Muscheln. Die Nase schabt ihre Nahrung mit dem scharfkantigen Maul von den Steinen am Grund (LFV Bayern).

Rüsselmaul, Barteln und Schlundzähne

Das Maul der Karpfenfische ist im Allgemeinen vorstülpbar (Spektrum, Kompaktlexikon der Biologie). Bei Brachse und Karpfen wird daraus ein Rüssel, auch das kleine Maul der Schleie lässt sich vorstülpen. Die Brachse saugt damit Insektenlarven, Würmer, Schnecken und kleine Muscheln aus dem weichen Boden. Sie steht dabei senkrecht auf dem Kopf und hinterlässt trichterförmige Fraßlöcher, so die Infotafel aus Mittelfranken (Abb. 2).

Eine Brachse steht fast senkrecht auf dem Kopf über weichem Grund und hat ihr Maul als Rüssel in den Boden vorgestülpt. Rechts daneben ist ein trichterförmiges Fraßloch im Grund zu sehen.Brachsesteht auf dem KopfRüsselmaulFraßlochweicher Grund
Abb. 2 · Brachse beim Fressen am Grund: kopfüber, das Rüsselmaul vorgestülpt, daneben ein Fraßloch. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch.

Barteln sind fadenförmige Hautorgane am Maul mit zahlreichen Geschmacksknospen und Tastkörperchen (Spektrum, Lexikon der Biologie). Der Fisch tastet und schmeckt mit ihnen. Sie sitzen bei Barbe und Gründling, die am Grund leben, außerdem bei Karpfen, Schleie, Wels und Quappe.

Zähne trägt das Maul der Karpfenfische nach demselben Lexikon im Allgemeinen nicht. Dafür sitzen an den Schlundknochen die Schlundzähne, die bayerischen Prüfungsfragen nennen dazu eine Kauplatte. Selbst der Rapfen, der als Raubfisch lebt, hat laut LFV Bayern keine Zähne.

Maulspalte und Zähne der Raubfische

Bei den Raubfischen fällt die weite Maulspalte auf. Beim Zander reicht sie bis zum hinteren Augenrand und oft darüber hinaus, beim Rapfen bis unter die Augenmitte. Die Schnauze der Hechte nennt das Spektrum-Lexikon entenschnabelartig und tief gespalten.

  • Zander: Neben kleinen Bürstenzähnen stehen in beiden Kiefern große Fangzähne, die Hundszähne. Sie halten die Beute fest.
  • Hecht: Im Unterkiefer sitzen kräftige, sehr scharfe Fangzähne. Dazu kommen viele kleine, spitze, nach hinten gerichtete Hechelzähne, die einen großen Teil des Mauls ausfüllen. Die Beute wird unzerkleinert verschlungen.
  • Wels: Das große Maul trägt zahlreiche kleine, bürstenartige Hechelzähne.

Die Angaben stammen aus dem Fischlexikon, dem Spektrum-Lexikon und den Prüfungsfragen des sächsischen Landesamts. Für den Hecht nennen die bayerischen Prüfungsfragen ein Vorfach aus bissfestem Material, zum Beispiel Stahl. Dort steht auch, dass beim Umgang mit Fischen mit spitzen Zähnen erhöhte Verletzungsgefahr besteht. Hakenlöser und lange Zange für solche Fische nennt die Seite Fisch landen und abhaken. Dieser Text ersetzt keine ärztliche Beratung.

Köderhöhe: eine Faustregel mit Ausnahmen

Fürs Angeln folgt daraus eine Faustregel: Biete den Köder in der Wasserschicht an, zu der das Maul der Zielart passt.

  • Oberständig: an der Oberfläche oder langsam sinkend. Für die Rotfeder nennt Blinker Köder, die nur langsam sinken oder schwimmen, etwa Brot. Oft wird der Köder schon im Absinken genommen.
  • Endständig: Die Schicht steht am wenigsten fest. Beginne im Mittelwasser und verändere die Tiefe in kleinen Schritten, wie unter Posenangeln beschrieben.
  • Unterständig: am Grund. Bei der Barbe soll der Köder festliegen oder nur langsam über den Grund trudeln, schreibt Blinker. Dazu passen Grundangeln und Feedern.

Faustregel, kein Gesetz. Die Maulstellung zeigt eine Vorliebe. Wo eine Art gerade frisst, hängt auch von Wassertemperatur und Nahrungsangebot ab, wie die Beispiele zeigen.

Diese Arten weichen von der Regel ab:

  • Rotauge: endständig, orientiert sich bei der Nahrungssuche aber mehr am Gewässergrund als die Rotfeder. Nach FishBase wechselt es je nach Angebot zwischen Bodentieren und Zooplankton.
  • Döbel: endständig, frisst von Frühjahr bis Herbst aber auch Insekten und nimmt dann die Trockenfliege. Für ihn gilt laut Blinker: je kälter das Wasser, desto tiefer.
  • Hasel: unterständig, laut LFV Bayern trotzdem ein geselliger Oberflächenfisch, der auch Anfluginsekten frisst.
  • Rotfeder: Große Tiere stehen oft im oder unter dem Schwarm und werden laut Blinker eher beim Grundangeln gefangen.
  • Karpfen: frisst vor allem Bodentiere, saugt nach FishBase aber auch treibende Insekten an der Oberfläche ein.

Ähnliche Arten am Maul trennen

Bei manchen Verwechslungspaaren hilft schon ein Blick aufs Maul. Die Angaben stammen aus dem Fischlexikon, den bayerischen Prüfungsfragen und dem Lehrmaterial des sächsischen Landesamts.

PaarErste ArtZweite Art
Rotauge und Rotfederendständigoberständig
Döbel und Haselendständig, großunterständig
Döbel und Alandendständig, großendständig, klein
Rapfen und Döbeloberständig, bis unter die Augenmitte gespaltenendständig
Brachse und GüsterRüssel weit vorstülpbarweniger weit vorstülpbar
Nase und ZährteUnterlippe hornig und scharfkantighufeisenförmig, Lippen nicht verhornt
Junge Barbe und Gründlingvier Bartelnzwei Barteln

Sicher wird die Bestimmung erst mit einem zweiten Merkmal. Beim Rotauge beginnt die Rückenflosse senkrecht über den Bauchflossen, bei der Rotfeder dahinter. Die ganze Gegenüberstellung steht auf der Seite zum Rotauge. Den Aland erkennst du nach den sächsischen Prüfungsfragen sicher an den kleinen Schuppen und der nach innen gebogenen Afterflosse. Das Rotauge kann sich laut LFV Bayern außerdem mit Rotfeder, Brachse und Ukelei kreuzen.

Der zweite Blick lohnt auch aus einem anderen Grund: Für ähnliche Arten können verschiedene Schonzeiten und Mindestmaße gelten. Was gilt, regelt dein Bundesland, mehr dazu unter Schonzeit und Mindestmaß erklärt.

Häufige Fragen

Mehr Antworten rund ums Angeln: Alle häufigen Fragen im Überblick

Welche Maulstellung hat der Karpfen?

Das Spektrum-Lexikon der Biologie beschreibt das Maul der Karpfen als endständig, oft dicklippig und vorstülpbar. Seine Nahrung sucht der Karpfen laut FishBase trotzdem vor allem am Grund. Die Stellung allein sagt also nicht alles.

Wie viele Barteln haben die heimischen Arten?

Nach den bayerischen Prüfungsfragen tragen Karpfen und Barbe vier Barteln, Schleie und Gründling zwei und der Wels sechs. Die Quappe hat eine einzelne am Unterkiefer. Karausche und Giebel haben keine, daran unterscheidest du sie vom Karpfen.

Frisst der Hecht an der Oberfläche, weil sein Maul oberständig ist?

Nein. Sein Maul ist entenschnabelartig und oberständig, der Unterkiefer springt vor. Der Hecht steht aber meist versteckt zwischen Wasserpflanzen und packt vorbeischwimmende Beute mit einem schnellen Vorstoß (LFV Bayern). Über die Wasserschicht sagt die Stellung bei ihm wenig.

Passend dazu

Quellen

Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.

Alle Angaben sind Richtwerte ohne Gewähr. Die Maulstellung ist ein Merkmal unter mehreren: Bestimme einen Fisch im Zweifel an weiteren Kennzeichen, bevor du über Mitnehmen oder Zurücksetzen entscheidest.