Angeln am Kanal

Am Kanal angelst du in einem gebauten Gewässer mit gleichmäßiger Tiefe, befestigten Ufern und regelmäßigem Schiffsverkehr. Fische findest du vor allem dort, wo diese Gleichförmigkeit endet: an der Steinschüttung, im Hafenbecken und an einmündenden Bächen.

Querschnitt eines Schifffahrtskanals: links eine senkrechte Spundwand, rechts eine schräge Böschung mit Steinschüttung, in der Mitte die Fahrrinne mit einem SchiffSchiffSpundwandSteinschüttungFahrrinne
Abb. 1 · Querschnitt eines Schifffahrtskanals mit Spundwand auf der einen und Steinschüttung auf der anderen Seite. KI-unterstützt gezeichnet, schematisch und nicht maßstabsgetreu.

So ist ein Kanal gebaut

Die Grundlagen stehen bei den Gewässertypen. Hier geht es um die Praxis an Schifffahrtskanälen wie Mittellandkanal oder Dortmund-Ems-Kanal. Der Mittellandkanal ist mit 325 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße in Deutschland (GDWS).

Am Rhein-Herne-Kanal sieht die Planung bevorzugt ein Trapezprofil mit 55 Metern Wasserspiegelbreite und Böschungen in der Neigung 1 : 3 vor. Wo der Platz fehlt, steht auf einer oder beiden Seiten eine Spundwand, das Profil ist dann 42 Meter breit. Die Wassertiefe beträgt 4,00 Meter (Wasserstraßen-Neubauamt Datteln).

Die Böschung ist mit einer Steinschüttung gesichert und fällt schräg zur Sohle ab, die Spundwand senkrecht. In der Mitte verläuft die Fahrrinne. Dazu kommen Wendebecken, Hafenbecken, Liegestellen und an manchen Strecken Alte Fahrten, also Reste eines früheren Kanalverlaufs.

Was ein vorbeifahrendes Schiff auslöst

Angler sprechen von Sog und Schwall. Die Bundesanstalt für Wasserbau beschreibt den Ablauf so: Vor dem Bug staut sich das Wasser zur Bugwelle. Neben dem Rumpf strömt es gegen die Fahrtrichtung, dabei sinkt der Wasserspiegel ab. Am Heck füllt die Heckquerwelle die Mulde wieder auf. Je schneller und größer das Schiff und je enger der Kanal, desto stärker fällt das aus (BAW und BfG, 2016).

Eine Untersuchung am Dortmund-Ems-Kanal nennt plötzlich einsetzende Strömungen bis 1,2 Meter pro Sekunde aus wechselnden Richtungen und Wellen bis zu einem Meter Höhe (Niepagenkemper 2004). Wähl das Blei so schwer, dass die Montage liegen bleibt, und kontrolliere sie nach jedem Schiff.

Sog, Strömung und Wellenschlag spülen zugleich Kleintiere aus der Steinschüttung. Laut derselben Untersuchung werden Rotaugen nach einem Schiff besonders häufig gefangen, wenn das Wasser aufgewühlt und trüb ist.

Woran du aussichtsreiche Stellen erkennst

  • Steinschüttung: In den Lücken leben Kleintiere und Krebse, Jungfische tauchen bei Störung dorthin ab (Niepagenkemper 2004). Im Fisch-Lexikon sind Steinschüttungen als Standplatz von Barsch, Aal und Zander geführt.
  • Hafenbecken und Alte Fahrten: Das sind die ruhigen Zonen des Kanals. Am Dortmund-Ems-Kanal wurden in einer Alten Fahrt mindestens doppelt so viele Fische nachgewiesen wie in der befahrenen Strecke (Niepagenkemper 2004).
  • Einmündende Bäche: Am Dortmund-Ems-Kanal sammeln sich dort im Sommer Jungfische in großen Schwärmen, um dem Schiffsverkehr auszuweichen (Niepagenkemper 2004).
  • Wendebecken: Sie gehören laut Landesfischereiverband Westfalen und Lippe zum Betriebsgelände der Wasserstraßenverwaltung (LFV). Geangelt wird dort nur, wenn dein Erlaubnisschein es zulässt.

Welche Arten du erwarten kannst

Für die westdeutschen Kanäle nennt der Landesfischereiverband als Hauptarten Rotauge, Brachse, Karpfen, Schleie, Flussbarsch, Zander und Aal. Weil Laichplätze fehlen, werden Aal, Karpfen, Schleie und Zander besetzt (LFV).

Aus dem Dortmund-Ems-Kanal sind 15 Fischarten bekannt. Am häufigsten waren Flussbarsch und Rotauge, dahinter Aal, Kaulbarsch und Ukelei. Karpfen werden dort mit der Angel bis 20 Kilogramm schwer gefangen. Dem Zander kommen das trübe Wasser und die hohen Wassertemperaturen entgegen (Niepagenkemper 2004).

Eingewandert ist die Schwarzmundgrundel. Sie wurde mit dem Schiffsverkehr aus dem Schwarzen Meer eingeschleppt und breitet sich in großen Fließgewässern und Schifffahrtskanälen aus. Sie wird bis 22 Zentimeter lang, ihre Bauchflossen sind zu einem Saugnapf verwachsen (Anglerverband Niedersachsen). An seiner Strecke des Mittellandkanals sind gefangene Grundeln zu entnehmen (Gewässerseite).

Methoden und Montagen

Papiere, Sperrstrecken und Betriebsanlagen

Ob du einen Fischereischein brauchst, regelt dein Bundesland. Dazu kommt der Erlaubnisschein. Den gibt der Pächter des Fischereirechts aus. Zwei Beispiele:

  • Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe ist Pächter am Dortmund-Ems-Kanal, Rhein-Herne-Kanal, Datteln-Hamm-Kanal und Wesel-Datteln-Kanal. Vereinsmitglieder bekommen den Jahresschein über ihren Verein, Gäste Tageskarten (LFV).
  • Der Anglerverband Niedersachsen hat rund 160 Kilometer Mittellandkanal samt mehreren Stichkanälen gepachtet. Einige Teilbereiche sind als Sperrstrecken oder Fischschongebiete vom Angeln ausgenommen (AVN).

Für bundeseigene Ufer und Anlagen gilt die Wasserstraßen-Betriebsanlagenverordnung. Sie verbietet es, Schleusen, Schiffshebewerke, Wehre, Bauhäfen und andere Betriebsanlagen zu betreten. Ufergrundstücke und Betriebswege darfst du zu Fuß betreten und die Wege mit dem Fahrrad befahren, jeweils auf eigene Gefahr. Verboten sind dort das Fahren mit Kraftfahrzeugen, das Abstellen von Fahrzeugen, Zelten und Feuer (§ 2 WaStrBAV).

Hinweis, Stand: Oktober 2026: Die Verordnung regelt das Betreten, nicht das Angeln. Wo du angeln darfst und welche Schonzeiten und Maße gelten, steht im Erlaubnisschein und in der Gewässerordnung des Pächters. Mehr dazu: Schonzeit und Mindestmaß erklärt.

Sicherheit an der Spundwand

An der Spundwand stehst du an einer senkrechten Kante über tiefem Wasser. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Westdeutsche Kanäle warnt: Schiffe fahren bis zu 10 bis 12 Kilometer pro Stunde und kommen erst nach bis zu 500 Metern zum Stehen. Die Bugwelle kann einen Menschen im Wasser an die Böschung oder die Spundwand drücken, der Sog zieht in Richtung Schiffsschraube (WSA).

  • Merk dir beim Aufbauen, wo die nächste Ausstiegsleiter ist. Am Seitenkanal Kochendorf am Neckar zum Beispiel werden sie im Abstand von 50 Metern an der Spundwand befestigt (WNA Heidelberg).
  • Nimm einen Kescher mit langem Stiel, statt dich über die Kante zu beugen.
  • Mehr zum sicheren Stand: Ufer und Wathose.

Passend dazu

Quellen

Wegweiser ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Maßgeblich sind das Fischereirecht deines Bundeslandes, der Erlaubnisschein des Pächters und die Schilder der Wasserstraßenverwaltung.