Eine Mole bringt dich ohne Boot an tiefes Wasser. Von Molen, Seebrücken und Kaikanten an Nord- und Ostsee fängst du je nach Jahreszeit Hering, Hornhecht, Makrele und Plattfische. Ob du an einem Platz angeln darfst, entscheiden Fischereirecht und Hafenordnung.
Was Mole, Seebrücke und Hafen ausmacht

An Molen und Hafeneinfahrten hast du schnell tieferes Wasser vor dir, besonders an Schiffsanlegern. Weite Würfe sind meist nicht nötig, und viele Stege sind beleuchtet. Das erleichtert im Dunkeln den Umgang mit Haken, Köder und Fisch (DAFV-Broschüre zur Flunder).
Fische hält das Bauwerk aus zwei Gründen: Laut Blinker herrschen an Molen meist starke Strömungen, die Futter bedeuten, und der Bewuchs bietet Kleinfischen und Brut Schutz.
Plane die Landung, bevor der erste Fisch beißt. Der DAFV rät wegen der oft steilen Wände zum Spundwandkescher. Blinker nennt steile, glitschige Abgänge, an denen die Landung eines größeren Fisches nachts gefährlich werde, und empfiehlt sehr lange Kescher oder Kescherkörbe an einem Seil.
An Wasserbauwerken und Seebrückenpfeilern bilden sich eigene Strömungen und Strudel (DLRG-Heft „Gefahren am Meer“).
Fische an Mole und Kai
Plätze, Zeiten und Gerätewerte für Hornhecht, Makrele, Meeräsche und Wittling stammen aus einer Blinker-Beilage zur Ostsee von 2007. Sie ist alt, die Werte sind Richtwerte.
- Hering: Im Frühjahr wandern Heringe aus der westlichen Ostsee zum Laichen zu den Flussmündungen. Geangelt wird dann von Flensburg bis Stralsund an Molen, Kaikanten und Brücken, oft bis Mitte Mai (DAFV-Broschüre zum Hering).
- Hornhecht: in den Bereichen um Molen, Anleger und Seebrücken, ab Anfang oder Mitte Mai. Als Faustregel nennt die Beilage: Steht der Raps in voller Blüte, sind meist auch die Hornhechte da. Sie rät zur Spinnrute um 3 Meter mit 10 bis 40 Gramm Wurfgewicht und 0,20 bis 0,25 Millimeter Monoschnur, als Köder zu kleinen Fischfetzen von Hering oder Hornhecht.
- Makrele: vor Molen, Seebrücken und Anlegern im tiefen Wasser, von Juli bis September oder Oktober. Auf Molen, die weit ins Meer hinausreichen, fängt man laut Blinker im Sommer zum Teil Makrelen mit Posenmontage und Fischfetzen.
- Meeräsche: in Häfen an Spundwänden und Pfeilern, von Juni bis September. Die Beilage nennt eine Posenrute von etwa 3 bis 3,90 Meter mit 0,20 bis 0,25 Millimeter Monoschnur und als Köder Weißbrot.
- Flunder, Scholle und Kliesche: Plattfische fängst du mit Naturködern auch von Molen und in Hafeneinfahrten (DAFV-Broschüre zur Flunder).
- Wittling: das ganze Jahr über von Molen und Seebrücken, gelegentlich als Beifang.
Für Dorsch und Aal gelten 2026 Fangverbote: Die Freizeitfischerei auf Dorsch ist in der Ostsee ganzjährig verboten, die auf Aal in Nord- und Ostsee. Beifänge setzt du sofort schonend zurück. Auf Schlei und Trave binnenseitig der Molenköpfe gelten beide Verbote nicht (Land Schleswig-Holstein zu Dorsch und Aal).
Heringsangeln mit dem Paternoster
Wann: Ab 6 bis 7 Grad Wassertemperatur lassen sich die zum Laichen an die Küste kommenden Heringe laut DAFV erfolgreich beangeln. Die Blinker-Beilage nennt für das Uferangeln je nach Wassertemperatur den Beginn Anfang bis Mitte März und die Hauptzeit Ende März bis Anfang April, mancherorts auch Herbstfänge von Oktober bis Dezember. Die Fänge schwanken laut DAFV stark, je nach Laichwanderung und Reichweite der Schwärme. Massenfänge von mehreren hundert Fischen am Tag sind möglich, Bootsangler haben aber bessere Karten. Die Monate zeigt der Fangkalender.
Womit: Die Beilage von 2007 empfiehlt eine Spinn-, Grund- oder Karpfenrute um 3,60 Meter mit 80 Gramm Wurfgewicht und 0,25 bis 0,35 Millimeter Monoschnur. Der DAFV nennt eine mittelschwere Spinn- oder Grundrute als Gerät. Das Heringspaternoster, ein Vorfach mit mehreren Seitenarmen, ist laut Blinker 70 bis 120 Zentimeter lang, trägt 2 bis 5 Haken und hängt an einem Heringsblei von 30 bis 80 Gramm. Der DAFV nennt 5 oder 6 Anbissstellen, je nach örtlicher Bestimmung auch weniger. Mehr zum Vorfach: Meeres-Paternoster, zum Gerät Meeresangeln.
Wie: Nach dem Wurf lässt du die Montage langsam absinken und holst sie mit Auf- und Abbewegungen zurück. Such damit die ganze Wassersäule ab, bis du die Tiefe der Fische gefunden hast. Bisse zeigen sich als leichtes Zucken der Rutenspitze (DAFV-Broschüre zum Hering).
- Haken in Mecklenburg-Vorpommern: Beim Makrelen- oder Heringsangeln ist ein Paternoster mit bis zu sechs Einfachhaken zulässig. Sonst gelten je Handangel bis zu zwei Köder mit jeweils bis zu drei Haken. Erlaubt sind höchstens drei Handangeln, und nur für den Eigenbedarf (Küstenfischereiverordnung, Änderung vom 11. September 2026).
- Mindestmaße: Schleswig-Holstein nennt für die Nordsee 20 Zentimeter beim Hering, 30 bei der Makrele und 35 beim Dorsch (Merkblatt des Landes, Stand Februar 2026). In Mecklenburg-Vorpommern steht der Hering nicht in der Liste der Mindestmaße. Für Flunder, Scholle und Kliesche gelten dort 25 Zentimeter.
- Kein Eimer mit lebenden Heringen: Lebende Heringe im Setzkescher oder Wassereimer zu hältern, gilt beim Landesamt in Mecklenburg-Vorpommern als nicht tierschutzgerecht (LALLF). Mehr dazu: Fisch betäuben und töten.
Plattfisch im Tidenhafen
Plattfisch gibt es auch im Hafen, selbst im Winter. Der DAFV beschreibt das für einen Hafen an der Elbe: Angler zieht es dort von September bis Anfang Februar an den Kai. Die Flundern stehen laut Broschüre in sandigen Rinnen, Kuhlen und Mulden. Läuft das Wasser ab, wird die Strömung stärker und spült Futter frei. Bei auflaufendem Wasser steigen die Chancen, weil Flachwasserstellen, die bei Ebbe uninteressant sind, attraktiv werden.
Als Köder empfiehlt der DAFV Wattwürmer am Grund, auf langschenkligen Haken der Größe 1. Gegen den Strom hält ein Blei bis 200 Gramm in Krallen-, Pyramiden- oder Sternform. Die Rute soll 250 Gramm Wurfgewicht haben. Im Winter bevorzugt er Monoschnur, weil geflochtene Wasser aufsaugt und bei Frost einfrieren kann. Einen Rutenhalter lässt sich am Geländer befestigen. Die Montage beschreibt die Brandungsmontage, wie sich Ebbe und Flut ändern, die Seite Gezeiten.
Typische Fehler
- Anschlagen beim Hering: Laut DAFV darf beim Heringsangeln kein Anhieb gesetzt werden. Das weiche Maul schlitzt leicht aus, am besten ist langsames Einholen ohne Lockerlassen der Schnur. Monofile Schnur puffert mit ihrer Dehnung.
- Nach dem ersten Biss sofort einholen: Laut DAFV bleibt die Montage besser liegen, meist beißen weitere Heringe an.
- Keine Landehilfe dabei: Ohne Spundwandkescher oder Kescherkorb hebst du an der steilen Kaikante keinen Fisch sicher hoch.
- Nur eine Tiefe befischen: Such die Tiefe der Heringe, indem du die ganze Wassersäule abführst.
Papiere an der Küste
- Schleswig-Holstein: Du brauchst immer einen gültigen Fischereischein und zahlst immer die Fischereiabgabe des Landes, auch zusätzlich zur Abgabe eines anderen Bundeslandes. In den Küstengewässern herrscht in der Regel freier Fischfang. In der Schlei und in den Gewässern in und um Lübeck ist zusätzlich ein Erlaubnisschein Pflicht (Land Schleswig-Holstein).
- Mecklenburg-Vorpommern: Nötig sind immer drei Dokumente: Fischereischein, Angelerlaubnis für die Küstengewässer und der Nachweis über die Fischereiabgabe. Ohne Prüfung gibt es den Touristenfischereischein für bis zu 28 Tage (LALLF).
- Niedersachsen: In den Küstengewässern ist der Fisch- und Krebsfang frei (§ 16 Nds. Fischereigesetz).
Seit dem 10. Januar 2026 muss Deutschland nach EU-Recht dafür sorgen, dass Meeresangler registriert werden und Fänge bestimmter Arten elektronisch melden. Ob das für dich schon Pflicht ist, steht beim Portal Fischerei von Bund und Ländern.
Stand: Oktober 2026. Das Dorschverbot gilt laut Land Schleswig-Holstein für das Jahr 2026, über 2027 berät der EU-Fischereirat Ende 2026. Lies vor dem Angeln die Seite der Fischereibehörde deines Küstenlandes. Grundlagen: Fischereischein und Fischereiprüfung, Schonzeit und Mindestmaß erklärt.
Hafenordnung: Wo das Angeln verboten ist
Im Hafen gilt neben dem Fischereirecht die Hafenordnung. Drei amtliche Beispiele:
- Niedersachsen: Die Niedersächsische Hafenordnung verbietet das Baden, Angeln und Fischen in Hafengewässern. Ausgenommen sind Wasserflächen, die die Hafenbehörde ausdrücklich freigegeben hat (§ 14 NHafenO).
- Heiligenhafen: Von den Anlagen für den Güterumschlag und von den Schiffsliegeplätzen aus ist das Angeln nur mit Ausnahmegenehmigung gestattet (Hafenbenutzungsordnung vom 13. Juni 2024).
- Stralsund: Vom 12. Oktober bis 10. März ist im nördlichen Teil des Hafens und in den Kanälen jede Fischerei verboten, zum Schutz der Fische im Winterlager (Allgemeinverfügung des LALLF).
Achte auf Schilder und frag im Zweifel bei der Hafenbehörde nach, bevor du aufbaust.
Sicherheit auf Mole und Kai
- Rutschige Steine: Algen und Tang siedeln auf Steinen und Bauwerken und bilden mit Wasser einen sehr rutschigen Untergrund. Dazu kommen scharfkantige Steine und Muscheln (DLRG-Heft „Gefahren am Meer“).
- Kaltes Wasser: Bei Wassertemperaturen unter 20 Grad kann der Körper den Wärmeverlust nach Angaben der DLRG nicht mehr selbst ausgleichen. Ein Sturz ins Wasser ist an Bauwerken mit Strudeln und steilen Wänden deshalb ernst zu nehmen.
- Wetter und Ausrüstung: Das Wetter ist auf See wesentlich wechselhafter als an Land. Ein erfahrener Seenotretter hat beim Angeln immer Rettungsweste und Kälteschutz dabei (Seenotretter: Sicherheit beim Angeln).
- Notfall: Die Rettungsleitstelle See in Bremen erreichst du rund um die Uhr unter 0421 53687-0.
Mehr: Ufer und Wathose, Gewitter und Wetter.
Häufige Fragen
Wann beißt der Hering an der Mole?
Im Frühjahr, wenn die Heringe zum Laichen an die Küste kommen. Der DAFV nennt 6 bis 7 Grad Wassertemperatur, oft ist Mitte Mai Schluss. Die Fänge schwanken stark.
Warum darf ich beim Hering nicht anschlagen?
Heringe haben ein weiches Maul und schlitzen leicht aus. Der DAFV empfiehlt deshalb, keinen Anhieb zu setzen, sondern langsam einzuholen.
Darf ich an jeder Mole und in jedem Hafen angeln?
Nein. Neben dem Fischereirecht deines Küstenlandes gilt die Hafenordnung. Sie kann das Angeln verbieten oder an eine Freigabe der Hafenbehörde knüpfen.
Wie lande ich einen Fisch von der hohen Kaimauer?
Mit einem Spundwandkescher, den der DAFV für steile Wände empfiehlt. Blinker nennt außerdem sehr lange Kescher und Kescherkörbe an einem Seil.
Passend dazu
- Meeresangeln: Gerät und Methoden von Strand bis Kutter
- Meeres-Paternoster: das Vorfach für Hering und Makrele
- Hering und Hornhecht: die Fischporträts zu den häufigsten Molenfischen
- Brandungsmontage und Grundangeln: Plattfisch am Grund
- Angeln an Küste und Brandung: Strand, Gezeiten und Papiere
- Angeln in Bodden und Fjord: flaches Wasser hinter der Küste
- Angeln vom Kutter und Boot: wenn der Hering vom Ufer ausbleibt
- Fangkalender und Angeln in Deutschland: Monate je Art und Reviere
Quellen
- Mecklenburg-Vorpommern: Fünfte Verordnung zur Änderung der Küstenfischereiverordnung (11. September 2026) und Allgemeinverfügung zum Hafen Stralsund (Haken, Mindestmaße, Hafenverbot)
- LALLF Mecklenburg-Vorpommern: Fischereischein und Angelerlaubnis, Verhalten beim Angeln (Papiere, Hältern von Heringen)
- Land Schleswig-Holstein: Angelfischerei, Merkblatt zum Urlauberfischereischein, Dorsch 2026, Aal 2026 (Papiere, Mindestmaße, Fangverbote)
- Niedersachsen: § 16 Nds. Fischereigesetz, § 14 Niedersächsische Hafenordnung (freier Fang, Hafenverbot)
- Stadt Heiligenhafen: Hafenbenutzungsordnung für den Kommunalhafen (2024; Angeln im Hafen)
- Portal Fischerei: Fragen und Antworten zum Meeresangeln (Stand 5. Februar 2026; Registrierung und Fangmeldung)
- Deutscher Angelfischerverband: Broschüren zum Fisch des Jahres, Hering (2021) und Flunder (2017) (Heringsangeln, Plattfisch im Hafen, Landehilfe)
- Blinker: Brandungsangeln (Strömung und Bewuchs an Molen, Landung); Blinker extra: Die Fische der Ostsee und wie man sie beangelt (Beilage 04/2007; Plätze, Saison und Gerät)
- DLRG Burscheid: Gefahren am Meer (9. Auflage, Februar 2023); Seenotretter (DGzRS): Sicherheit beim Angeln (Strudel, Rutschgefahr, Kälte, Notruf)
Text und Zeichnung KI-unterstützt erstellt. Quellen im Oktober 2026 geöffnet und geprüft, keine Grafik aus den Quellen übernommen.
Wegweiser ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Maßgeblich sind die Fischereigesetze und Verordnungen des jeweiligen Küstenlandes, das EU-Recht und die Hafenordnung vor Ort. Die Sicherheitshinweise ersetzen keine Einweisung durch Rettungsorganisationen und keine ärztliche Beratung.