Angeln vom Kutter und Boot

Auf dem Kutter stehst du mit anderen Anglern an der Reling und der Kapitän sucht die Fangplätze, im Kleinboot bist du selbst der Schiffsführer. Für beide gelten auf Nord- und Ostsee Fangverbote der EU, und jedes Küstenland regelt den Fischereischein anders.

Kutter oder eigenes Boot

An der Ostsee wird meist vom Ufer geangelt. Rund 30 Prozent der Angeltage entfallen auf Boote, rund 5 Prozent auf Angelkutter (Thünen-Institut, Erhebung 2020/21: Lewin, Weltersbach und Strehlow 2023). Auf dem Kutter sorgt die Besatzung für die Sicherheit, im eigenen Boot du selbst (Seenotretter).

So läuft eine Kutterfahrt ab

Die Fachzeitschrift Fisch & Fang beschreibt den Tag an Bord so:

  • Platz an der Reling: Oft wird er bei der Buchung zugeteilt, sonst wählt, wer zuerst da ist. Begehrt sind Bug und Heck.
  • Stopp und Signal: Am Fangplatz stoppt der Kutter und geht in die Drift. Ein Hupsignal gibt das Angeln frei.
  • Andrift: Der Kutter treibt auf deinen Köder zu. Du wirfst weit aus und fischst, bis das Schiff über dem Köder ist.
  • Abdrift: Der Kutter treibt vom Köder weg. Du lässt ihn an der Bordwand absinken und gibst ab und zu Schnur nach. Ist das zu oft nötig, brauchst du mehr Gewicht.
  • Seitenwechsel: Der Kapitän dreht den Kutter in der Regel nach jedem Stopp um 180 Grad, jede Seite fischt also abwechselnd in An- und Abdrift. Im Bug und im Heck kannst du die Seite wählen.

Wie das Pilken geht, steht unter Meeresangeln. Für Plattfische nennt Blinker Paternoster-Vorfächer mit Bleien von 100 bis 250 Gramm, beködert mit Watt- oder Seeringelwürmern, Muschelfleisch oder Fischfetzen. Den Aufbau zeigt die Naturködermontage.

Auf der Nordsee bleiben die Kutter laut Blinker meist 10 bis 20 Stunden auf See, weil schon die Anfahrt Stunden dauert. Im Sommer gibt es küstennahe Fahrten von vier bis acht Stunden auf Makrele oder Plattfisch. Zieh dich warm, wind- und wasserdicht an.

Welche Fische an Bord kommen

In der Ostsee wird nach der Thünen-Studie vor allem auf Dorsch, auf die Plattfische Kliesche, Scholle und Flunder, auf Hering, Hornhecht, Meerforelle und Lachs geangelt. Unter den Fängen nennt sie außerdem Makrele und Wittling.

Dorsch und Lachs in der Ostsee 2026

Die Fangvorgaben für die Ostsee beschließt der Rat der EU jedes Jahr neu. Für 2026 regelt die Verordnung (EU) 2025/2454:

  • Dorsch: Die Freizeitfischerei auf Dorsch ist in den Unterdivisionen 22 bis 32 verboten (Artikel 10). Die deutsche Ostseeküste liegt in den Unterdivisionen 22 und 24. Ein versehentlich gefangener Dorsch muss sofort zurück ins Meer.
  • Lachs: Auch das Angeln auf Lachs ist in den Unterdivisionen 22 bis 31 verboten (Artikel 11). Erlaubt bleibt ein Lachs mit Fettflossenschnitt pro Angler und Tag. Danach stellst du das Lachsangeln für den Tag ein. Jeder Lachs mit Fettflosse geht zurück.
  • Anlanden: Wer nach dieser Ausnahme einen Lachs behält, muss alle behaltenen Fische jeder Art ganz anlanden.

Stand: Oktober 2026. Die Verordnung gilt vom 1. Januar bis 31. Dezember 2026. Über den Beschluss hat der Deutsche Angelfischerverband im Oktober 2025 berichtet. Wie du einen Fisch schonend zurücksetzt, steht unter Fisch zurücksetzen.

Fischereischein an Bord

  • Schleswig-Holstein: Der Fischereischein ist grundsätzlich Pflicht. Auf kommerziellen Angelkuttern entfällt die Pflicht, wenn der Anbieter die Aufsicht übernimmt. Das ist eine Kann-Regel, frag vorher nach. Die Fischereiabgabe zahlst du in jedem Fall. Wer keinen Schein hat, kann den Urlauberfischereischein für 28 Tage beantragen. Eine weitere Erlaubnis brauchst du in den Küstengewässern nicht, außer in der Schlei, in Teilen der Lübecker Bucht und in der Eidermündung (Landesregierung, Hinweise zur Angelfischerei).
  • Mecklenburg-Vorpommern: Du brauchst immer Fischereischein, Angelerlaubnis und den Nachweis der Fischereiabgabe, auch auf der Ostsee. Ohne Prüfung gibt es den Touristenfischereischein für bis zu 28 Tage (LALLF).
  • Niedersachsen: In den Küstengewässern ist der Fischfang frei (§ 16 Nds. FischG). Die Ausführungsbestimmungen verlangen auf See einen Fischereischein nur vom Führer des Fahrzeugs, nicht von zahlenden Gästen einer Angelfahrt. Ob du ihn im eigenen Boot brauchst, klärst du vorher mit dem Staatlichen Fischereiamt Bremerhaven.

Mehr zum Schein steht unter Fischereischein und Fischereiprüfung.

Mindestmaße an der Küste

Verbindlich ist die Küstenfischereiverordnung des Landes, in dessen Gewässern du angelst. Wie gemessen wird, erklärt Schonzeit und Mindestmaß.

Mit dem eigenen oder gemieteten Boot

Ohne Führerschein darfst du ein Sportboot führen, wenn der Verbrennungsmotor höchstens 11,03 Kilowatt (15 PS) leistet, der Elektromotor höchstens 7,5 Kilowatt (§ 5 Sportbootführerscheinverordnung). Darüber brauchst du auf den Seeschifffahrtsstraßen den Sportbootführerschein für diesen Geltungsbereich (ELWIS).

Als Mindestausrüstung nennt die Broschüre „Sicherheit auf dem Wasser“ von Bundesverkehrsministerium, BSH und WSV:

  • eine Rettungsweste für jede Person an Bord
  • Mittel zur Brandbekämpfung und Signalmittel für den Notfall
  • eine Lenzvorrichtung, also Pumpe, Eimer oder Ösfass
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung

Laut Broschüre tragen auch gute Schwimmer auf dem Wasser die Weste. Die Seenotretter nennen die Klasse 150 Newton für alle Gewässer, sie ist ohnmachtssicher. Sie raten außerdem zu Kompass, GPS und Funkgerät, weil der Handyempfang auf See nach wenigen Kilometern endet, zu heller Kleidung und zum Blick auf Wetter und Gezeiten vor der Fahrt. Mehr dazu unter Boot und Schwimmweste.

Passend dazu

Quellen

Wegweiser ohne Gewähr, Stand Oktober 2026. Maßgeblich sind die EU-Verordnung über die Fangmöglichkeiten, die Küstenfischereiverordnung des jeweiligen Landes und die Ansagen des Kapitäns an Bord.